XII.
Die Lüderitzbahn. — Dernburgs Anerkennung der Leistungen der Truppe. — Stauanlagen bei der grossen Naute. — Die Eingeborenen bei Keetmanshoop.
Lüderitzbucht, 25. Juli 1908.
Die Fahrt des Staatssekretärs Dernburg von Seeheim nach Keetmanshoop bildete die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Lüderitzbucht—Keetmanshoop für den gesamten Verkehr. Die erste Teilstrecke bis Aus ist schon seit dem 1. November 1906 in Betrieb. Die Länge der ganzen Bahnlinie beträgt 370 Kilometer.
Drei Wochen dauerte es früher, bis man auf den »Baiweg« mit dem Ochsenwagen von Lüderitzbucht bis Keetmanshoop gelangte, und heute fährt man bequem in zwei Tagen hinauf. Wie schwierig der gefürchtete Baiweg war, zeigen die vielen hundert getrockneten Ochsenkadaver, die man von der Bahn aus liegen sieht. Bei der Fahrt durch dies Gelände kann sich auch der Uebelwollende der Einsicht nicht verschliessen, dass unsere wackere Schutztruppe Ungeheures geleistet hat bei den Transporten durch die glühendheisse, wasserlose Wüste und Steppe, wo es bald durch tiefen Sand, bald über Geröll und Felsen ging, und wo die Mannschaft geradezu wehrlos den Kugeln des Feindes und dem Abtreiben der Ochsen und Reittiere ausgesetzt war.
Die starken Steigungen von 25 % -= 1 :40 und die - Ueber- windung des Dünengürtels an der Küste machten den Bahnbau schwierig. Der Oberbau ist in Kapspur hergestellt und dadurch ist eine wohltuende und bei der ersten Fahrt geradezu auffallende Stabilität erzeugt im Gegensatz zur Bahn Swakopmund—Windhuk, die nur 60 cm Spurweite hat. Die Deutsche Kolonial-Eisenbahn- bau- und Betriebs-Gesellschaft (Lenz, Berlin) ist Herstellerin der Bahn, und Oberingenieur Nissen, der oberste Leiter, ist eine Persönlichkeit, von der ich mit Freude feststellen kann, dass sie
B o n g a r d , Dernburg. 5