IX.
Kimberley, 29. Juni 1908.
Man könnte meinen, der liebe Gott hätte Afrika den Frauen zu Gefallen erschaffen. Zunächst sind da die herrlichen Straussen- federn, die am Tage ihre Hüte zieren, dann das schimmernde Gold, das in kunstvoller Verarbeitung sie schmückt, und schliesslich die funkelnden Diamanten, die nachts im Strahle hellleuchtenden Lichtes ihre Reize erhöhen.
Südafrika liefert mehr Diamanten als die ganze übrige Welt zusammengenommen. Auch in Deutsch-Südwestafrika haben wir bei Gibeon dieselben Formationen, die für die Diamanten Bedingung sind. Es sind ovale bis rundliche Röhren, die gewöhnlich sich nach unten verjüngend, tief in die Erde hinein gehen. Sie können einen Durchmesser von mehreren hundert Metern haben und sind von einem eigenartig blaugrau gefärbten Eruptivgestein, dem »Blaugrund«, gefüllt, der von sehr verschiedener Härte ist. Es ist wohl nicht zweifelhaft, dass diese Röhren alte vulkanische Krater sind. Als Dernburg in Natal weilte, traf die Nachricht ein, dass in Deutsch - Südwestafrika Diamanten gefunden worden seien. Sogleich wurde das Studium der südafrikanischen Diamantminen auf das Programm gesetzt. Mit Recht scheint es nicht unwesentlich, sich etwas genauer mit der Gewinnung und dem Vertrieb der Diamanten in Südafrika vertraut zu machen, ehe man sich über den Wert der Funde in Deutsch-Südwestafrika ein Urteil bildet.
Augenblicklich sind die Diamantminen von einer schweren Krisis betroffen und es ist fraglich, ob sie sich bald von ihr werden erholen können. Die Minen bei Kimberley und die Premiermine bei Pretoria sind die bedeutendsten und deshalb wurden beide Plätze von Dernburg besucht. Während bei der Goldgewinnung am Witwatersrand erst ein langwieriger chemischer Prozess erforderlich ist, um das Edelmetall zu erhalten, ist der Diamant gleich fix und fertig da.