VII.
Johannesburg, 23. Juni 1908. Ursache der Krise der Randminen. — 500 Millionen deutsches Kapital. — Die Goldgewinnung. — Arbeiternot und Wahlmanöver. — Eine praktische Arbeitsvermittlung der Regierung. — Die Aussichten für die Zukunft. — Ausnutzung der Viktoriafälle zu elektrischen Anlagen. — Die A. E. G. — Dernburg in Johannesburg.
Violetter Schimmer liegt über einem unendlich weiten welligen Weideland, von dem einzelne grosse Schaf- und Rinderherden sich kaum abheben. Auf Meilen in der Runde ist kein Haus und kaum ein Baum, ein Strauch zu sehen. So sah vor 23 Jahren die Gegend aus, auf der sich heute die Stadt Johannesburg mit 160 000 Einwohnern erhebt. Berge ragen überall empor, Berge aus Steinen und Sand, die Menschenhände geschaffen, und dazwischen streben unzählige gewaltige Schornsteine himmelwärts, deren Qualm sich mit den emporwirbelnden Staubwolken zu einem trüben Dunst vereint.
Alles in Johannesburg dreht. sich um das Gold, nach dem Tausende von Menschenhänden die Erde durchwühlen. Aber wie gewonnen, so zerronnen, Millionen wurden verdient und ebenso rasch wieder verschleudert. Paläste und Villen entstanden mit märchenhafter Schnelligkeit und Pracht. Aber kaum waren sie von ihren Besitzern bezogen, da mussten sie auch schon wieder geräumt werden. Wohl selten hat die Jagd nach dem Glück mehr Opfer gefordert, als hier. Verschwendungssucht oder Spekulationsfieber haben gar viele erfasst. Das Streben, das so leicht Erworbene ins Ungemessene zu vermehren, führte dazu, in Goldaktien zu spekulieren. Da kam der Kurssturz der letzten Zeit, und aus Millionären wurden in wenigen Monaten Bettler. »To let!«, zu vermieten, ist das Aushängeschild, das die vielen
Bongard, Dernburg. 3