Druckschrift 
Staatssekretär Dernburg in Britisch- und Deutsch-Süd-Afrika / von Oskar Bongard
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

VI.

Pietermaritzburg, den 19. Juni 1908.

Die Rentabilität der Gerberakazie. Ausfuhrerleichterungen für Getreide. Die landwirtschaftliche Schule in Sidara. Natal­kohle. Eingeborenengefahr. Durban. Haifischplage.

Englische Tradition.

Die Kolonie Natal ist ein von der Natur reich gesegnetes Land, das eine eigene Existenzfähigkeit besitzt dies ist in Afrika nicht immer so welche durch das Hinterland (Transvaal) ge­hoben wird. Das tropische Klima des Ostens wird zum Plan­tagenbetrieb (Zuckerrohr, Tee) ausgenutzt. Das Mittelland gibt durch reichliche Nachtnebel neben anderem die Möglichkeit zum Anbau von Gerberakazie im grossen, und die dritte hoch gelegene Zone mit gemässigtem Klima eignet sich zur Viehzucht und zum Getreidebau.

Die Rinde der erwähnten Gerberakazie liefert einen sehr guten Gerbstoff. Da die Nachfrage hiernach auf dem Weltmarkt sehr gross ist, fängt der Anbau dieses Baumes an, in Natal eine grosse Rolle zu spielen. Auch in Deutsch-Ostafrika kommt die Gerberakazie vor, und man hat begonnen, sie anzupflanzen. Es verlohnt sich daher, auf die Rentabilität dieser Kultur in Natal einzugehen.

Der Preis für den englischen Acre (ein Hektar ist gleich 2,471 Acres) Boden beträgt, hochgegriffen, 100 Mk., und die An­lagekosten belaufen sich auf 37 Mk. für den Acre. Nach sechs bis sieben Jahren trägt der Baum zum ersten Male. Er wird gefällt und die gerbstoffhaltige Rinde mit der Hand entfernt. Der Baum wächst wieder nach und alle sechs Jahre kann von da an die Rinde gewonnen werden. Die Jahreseinnahme vom Acre beträgt durchschnittlich 100 Mk. Hiervon gehen ab 15 bis 20 Mk. jährliche Betriebskosten. Es bleibt also ein Gewinn von rund 80 Mk. für das Jahr und den Acre. Im Jahre 1906 führte Natal