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Staatssekretär Dernburg in Britisch- und Deutsch-Süd-Afrika / von Oskar Bongard
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V.

Durban, 14. Juni 1908.

Der Hafen von Port Elizabeth. Misstrauen der Südafrikaner gegen Dernburgs Reise. Die Deutsche Kolonisation im Hinter­lande von East-London. Einheitliches Südafrika.

Mein Blick schweift über den Hafen von Durban. Viele hundert Lichter spiegeln sich im Wasser und die Strandstrasse erstrahlt in elektrischem Scheine. Die abenteuerlichen Gestalten der Rikshawboys erscheinen noch wilder als am Tage. Grosse Ochsenhörner, Federn und Schilfbüschel schmücken den Kopf dieser Neger, die lautlos mit ihren leichten zweirädrigen Wagen durch die Strassen eilen und Herren und Damen in eleganten Toiletten zu den Abendgesellschaften bringen. Der Himmel ist von Sternen übersät und hell leuchtet aus ihnen das südliche Kreuz hervor.

Leise tönt die Tafelmusik des Hotels in mein Zimmer und hält das Sehnen wach, was mich bei Tisch überkam und ver­anlasste, den Saal schon zeitig zu verlassen. Es ist doch ein eigen Ding um das menschliche Gemüt. Bin ich in Deutsch­land, so treibt es mich gewaltig hinaus nach den fernen Tropen, nach dem blauen Himmel und nach afrikanischer Wildnis, nach Jagdabenteuern und nach wilden Ritten; und hier in den lauen Lüften einer herrlichen afrikanischen Nacht überkommt mich das Heimweh.

Doch zurück nach Port Elizabeth! Diese Hauptstadt ist die wichtigste Handelsstadt der Kapkolonie und der Umsatz der Waren ist grösser als in Kapstadt. Letzteres hat aber eine höhere Ausfuhrziffer, was darauf zurückzuführen ist, dass das Gold über diesen Hafen ausgeführt wird.

Neben den im vorigen Brief besprochenen Straussenfedern ist die aus dem Hinterlande kommende Wolle das bedeutendste Ausfuhrgut. Der Hafen ist eine offene Rhede mit starker Dünung