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Staatssekretär Dernburg in Britisch- und Deutsch-Süd-Afrika / von Oskar Bongard
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I.

An Bord des Dampfers »Kenilworth Castle«, 19. Mai 1908.

Dernburg und die Volksgunst. Persönliches. Dernburg in London. Die Bedeutung der neuen Kolonialreise. Der Reiseplan. Auf dem Dampfer »Kenilworth«.

Als Dernburg im Juli v. J. die Reise nach Deutsch-Ostafrika antrat, um aus eigener Anschauung diese Kolonie kennen zu lernen, da jubelte man ihm in der deutschen Presse förmlich zu, man pries ihn als den Retter unserer Kolonien, ohne erst Taten abzuwarten und es sind wohl niemals mehr Lorbeeren auf Vor- schuss erteilt worden, als damals. Die Volksgunst ist ein gefähr­lich Ding, denn gar leicht schlägt sie in das Gegenteil um. Wer von ihr heute in den siebenten Himmel gehoben wird, der hat zu gewärtigen, dass er morgen von ihr in den Staub getreten wird. Nicht anders erging es Dernburg, als er von Deutsch-Ostafrika zurückkam. Es ist fast unglaublich, was für ein Unsinn über diese Reise zusammengeschrieben worden ist. Wenn man nach den Urteilen gehen würde, welche man seit dem vorigen Winter täglich zu lesen bekam, so sollte man glauben, dass aus dem Retter der Kolonien ihr Verderber geworden sei.

Diese Stimmung spiegelt sich auch in den Aeusserungen über die neue Kolonialreise Dernburgs wieder. Schon jetzt wird von der Wertlosigkeit dieser Reise gesprochen und dargetan, dass sie wieder im Galopptempo vor sich gehen werde, obgleich der Staatssekretär seine Reiseroute und Pläne beinahe zu ängstlich geheim gehalten hat. Ob diese Geheimhaltung richtig und zweck­mässig war, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls lässt sie sich dabin erklären, dass der Staatssekretär vorzeitige Erörterungen und den Anschein vermeiden wollte, als umgebe er sich mit einer »Pressclaque«, die für ihn Stimmung machen sollte, wie sich eine Zeitschrift ebenso geschmacklos, wie unrichtig auszudrücken beliebte.

Bongard, Dernburg. 1