Vom Nordosten Vorderindiens reiste ich ziemlich niedergeschlagen wegen meiner geringen Jagderfolge in Indien nach Bombay zurück, um heimzukehren. Ich
Das Nilgai und ein Jagdfrevel in Indien.
hatte geglaubt, mich nach einer zweijährigen anstrengenden Aufgabe in Afrika auf einer Jagdfahrt in Indien erholen zu können, war aber bitter enttäuscht, denn ich war zur unrechten Jahreszeit gekommen, die Hitze gab im Frühjahr in Indien der der Nyassaländer, von denen ich eben kam, nichts nach.
Bevor ich nach Achmet-abad, einer der großen Stationen der Bahn Bombay—Delhi, reiste, durchflog ich auf dem Schienenweg die
äußerste Ecke des im Nordwesten Vorderindiens liegenden, ziemlich wildreichen, sonst aber fast wüstenähnlichen Gebietes, welches dann ganz in die nordwest-indische Sandwüste übergeht.
Aus dem Kupee fortwährend die Gegend nach Wild absuchend, gewahrte ich ein Tier, das ich noch niemals, selbst nicht in europäischen Gärten gesehen hatte, nämlich das Nilgai oder Nilgao, eine große Antilope, die zoologisch in ihrer Zwischenstellung interessant, eigentlich ein auf dem Planeten ganz für sich allein dastehendes Geschöpf ist.
Das große, schlanke, etwas giraffenartig überbaute Tier hat leider nur ein sehr schwach entwickeltes Gehörn, zieht aber doch das Auge des Jägers durch seine eigentümliche Figur, Größe und Färbung an.
Ich möchte nicht gerade sagen, daß man diese Antilope besonders edel nennen könnte, doch ist sie in ihren Bewegungen auffallend und macht auf jeden sofort den Eindruck, daß es ein Wild ist, an dem man neue Beobachtungen machen kann.