Druckschrift 
In den Wildnissen Afrikas und Asiens : Jagderlebnisse / von Dr. von Wissmann. Mit 28 Vollbildern und 42 Textabb. von Wilhelm Kuhnert
Entstehung
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Jagd auf das Gnu.

Leicht findet man auf der Karte unserer Kolonie Deutsch-Südwestafrika im Norden einen großen See oder vielmehr Sumpf, der nur in starker Regenzeit ganz mit Wasser bedeckt ist, dann aber lange Zeit so sumpfig ist, daß nur Sumpf­vögel sich auf ihm niederlassen können. Erst allmählich trocknet er soweit aus, daß auch das größere Wild sich auf diese absolut ebene große Fläche wagen kann. Aber selbst dann ist es noch an einigen Stellen gefährlich, zu Pferde denn nur so wird in jenen Steppen gejagt und kann bei dem Mangel an Deckung gejagt werden dem Wilde zu folgen, denn das vom Reiter belastete Pferd wird nur stellenweise genügend festen Boden unter sich finden, um gefahrlos zu galoppieren.

Der größte Teil des afrikanischen Wildes liebt die weite, leicht übersehbare Ebene, wo es gegen seine Feinde, den Menschen und die größeren Raubkatzen, ganz besonders aber gegen den schlimmsten, grausamsten und am meisten Wild verwüstenden Verfolger, den wilden Hund, geschützt ist.

Der Löwe reißt ein Stück des Rudels und sättigt seinen Hunger, der Leopard desgleichen, der wilde Hund aber, der meist in Rudeln jagt, obwohl man auch beobachten kann, daß ein einziges Tier eine ihm an Gewicht vielleicht zwanzigfach überlegene Antilope zu Tode hetzt, reißt zunächst ein Stück des Rudels nieder, jede der jagenden Bestien schlingt ein schnell aus den Weichen herausgerissenes Stück des Wildpretes hinunter, um dann sofort die Fährte des unterdessen flüchtig gewordenen Wildes wieder aufzunehmen, weiter zu verfolgen und so häufig das ganze Rudel zu vernichten.

Möglich wird den Hunden das stets wiederholte Einholen des Wildes dadurch, daß, sobald die verfolgten Antilopen oder Strauße, die die Hauptbeute des wilden Hundes ausmachen, den Verfolger nicht mehr dicht auf den Fersen haben, sie bald verhoffen und nach rückwärts sichern, bis die heißhungrige Meute wieder dahersaust.

Die weiten Ebenen derEtoscha-Pfanne" sind bevölkert vor allem von Tausenden und Abertausenden von Springböcken, ein wunderbarer Schmuck der einförmigen weiten Wildnis. Leicht wie ein Windspielfliegt" das bunte, weiß und rotfarbige, zierliche, schön gehörnte Wild über die Fläche; als wenn sie mit ihren Läufen mit der leichten