Jagd auf den Katschgoar.
Ich muß den Leser bitten, mich nach einem der abgelegensten Winkel der Erde zu begleiten, einem Lande, das in vielleicht hundert Jahren manchen Bewunderer der schönen Natur dorthin locken wird, wenn erst die bald beendete große sibirisch-chinesische Bahn durch ihre mit der Zeit nötig werdenden Verästelungen eine Kommunikation erleichtert, die heute nur mit großem Zeitaufwand, großen Mitteln und mit Verzicht auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation zu erreichen ist.
Wir befinden uns auf einer Höhe von fast 3000 m, mitten in den wilden Bergen der zerrissenen Gebirgslandschaft des Altai. Rings um unser Zelt und eine Filzhürde, die unsere Begleiter — lithauische und russische Dolmetscher und Jäger aus dem Stamme der Kalmücken — aufnahmen, gruppierten sich nackte, nur mit kurzem Gras bewachsene Kuppen, von sanften Tälern unterbrochen, begrenzt nach der einen Seite in der Richtung des höchsten Berges des Altai — der Belucha mit ihren berühmten Gletschern — von schroff emporragenden, felsigen Gebirgsformen, deren Häupter mit Schnee bedeckt waren; nach Norden zu das sich allmählich nach der weiten sibirischen Steppe herabsenkende Nordwestgehänge des Altai, nach Osten hin, nach dem weiten China hinein, in unabsehbarer Aufeinanderfolge gleich hohe Gebirgszüge. Ein wunderbarer Platz für unser Jagdlager! Rings um uns die mächtigen, noch grünen Bergwellen, unser Jagdgebiet, der Standort des Riesen unter den Wildschafen, des Ovis Ammon; in blauer Ferne sich verlierend die westlichsten Grenzländer der steinigen Wüste, die wilde Mongolei, nach abwärts die von Fichten und Lärchen gekrönten Bergstöcke des sibirischen Altai. Hier das vierhundert Millionen ernährende, an uralter Kultur mit harter Zähigkeit festhaltende himmlische Reich, dort das unter verhältnismäßig junger Kultur nur langsam, aber sicher