Nashornjagd.
Ein interessantes Gebiet in unserm Deutsch - Ostafrika ist das südlich der Rovuma-Mündung gelegene kleine Deltagebiet Kionga, welches unter dem Gouvernement des Herrn von Scheele von der portugiesischen Provinz Mozambique an Deutschland abgetreten wurde. Hier tritt noch einer der drei mächtigen Dickhäuter, die in Afrika vorkommen und von denen man glaubt, daß man sie weit im Innern des Kontinents aufsuchen muß, bis an den Strand des Meeres heran. Hier tummelt sich auf den Deltabildungen noch eine Anzahl verschiedener Wildarten. Nur ein schmaler Landsaum am Seestrande ist mit einigen Dörfern der Eingeborenen besetzt, sonst muß man schon weit landeinwärts und den Rovuma aufwärts gehen, um wieder Bevölkerung zu finden.
Natürlich sind die feuchten Niederungen des Deltas besonders bevölkert von Wildschweinen und den langschaligen Sumpfantilopen (tragelaphus); aber auch andere, größere Antilopen haben diese stille Gegend aufgesucht.
Ich hatte noch kein Nashorn geschossen; denn in ihrer vornehmlichen Heimat, nördlich des Kilima Ndscharo-Gebietes oder den Zambesi weiter aufwärts, war ich nicht gewesen. Einmal, dicht am Kilima Ndscharo, entging ich knapp dem Schicksal, von einer boshaft schnaubenden Nashornkuh, die von einem Jungen begleitet war, über den Haufen gerannt zu werden, hatte aber dem anrennenden Tier (ich führte kein Gewehr bei mir) im dichten Busch ausweichen können.
Meine ersten Jagderlebnisse mit Rhinozerossen im Jahre 1883 waren noch betrübender. Zweimal stürzte ich in Ugogo und dem Marenga mkali während des Birschens in Rhinozeros-Fallgruben, die von den Eingeborenen so geschickt verdeckt werden, daß der Mensch, der diese Anlagen nicht kennt, sie unmöglich entdecken kann.
Das Rhinozeros hält ziemlich regelmäßig Wechsel, und diese Wechsel sind mit von den scharfen Dreihufen häckselartig zerschnittenem, vertrocknetem Gras bedeckt.