Der Hirsch des Altai.
Vom Kamme des westlichen, sibirischen Altai, auf dessen mächtigen, grasigen Kuppen ich das Wildschaf gejagt hatte, stiegen wir nach Süden zu hinab nach dem Flußgebiet des schwarzen Irtisch, eines der beiden gewaltigen Quellflüsse des Ob. Fast immer die chinesische Grenze zur Linken neben uns, durchzogen wir bei einem furchtbaren Sturm und Schneewetter die rauhen Schluchten, die von aufgestauten Eisschollen verbarrikadierten, längs der Wildwasser dahinführenden Pfade.
Mit beispielloser Sicherheit überstiegen unsere kleinen Kalmücken-Ponys Berge aufgestauter Eisschollen oder wühlten sich durch fast zwei Meter hohe Schneeanhäufungen hindurch, niemals ausgleitend, mit einer Gewandtheit und Geduld, die bei einem Pferde geradezu bewunderungswürdig ist.
In ^umgekehrter Reihenfolge wie beim Aufstieg nach dem Kamme des Altai- Gebirges hinauf begegneten wir jetzt nach abwärts zuerst der Zirbelkiefer, dann weiter abwärts der Fichte, die noch weiter hinab der Lärche wich. Dichter bewaldet als die Nordabhänge des Gebirges, bieten die südlichen Hänge mehr dem Rotwild Unterkunft, dem Wapiti dieses Teiles Asiens, dem Cervus eustephanus, dem Maral, wie er bei Kalmücken und Kirgisen, die allein diese Wildnis durchziehen, heißt. Schlimm steht es schon mit der Zukunft dieses, wohl nur dem Wapiti Nordamerikas an Größe nachstehenden Gliedes der Hirschfamilie.
Es ist nicht das Wildpret oder die Decke, die eine so heftige Verfolgung durch den Menschen begründet, es ist vielmehr der Aberglaube des sinnlichen Chinesen, der das in der Kolbenzeit getrocknete und pulverisierte Geweih des Hirsches fast mit Gold aufwiegt, da er es für ein sicheres Mittel der Stärkung seiner Zeugungsorgane hält.
Derselbe Umstand hat allerdings auch einige unternehmende russische Bauern dazu veranlaßt, das genannte Wild in Gärten zu hegen und dem Hirsch in der Kolben-