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Ansiedlerschicksale : elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893 - 1904 / von Helene von Falkenhausen, geb. Nitze
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Sehr schlecht war es um meine und der Rinder Klei­dung bestellt. Als wir in das Haus der Missionare kamen, hatten wir ja nur das, was wir auf dem Leibe trugen, und das war nicht viel. Axels Anzug hing vollständig in Lum­pen. Klein Fritzel hatte unterwegs seine Schuhchen ver­loren, und ich hatte, um schneller vorwärts zu kommen, einen Teil meiner Sachen abgeworfen. Frau Missionar Lang, die meine Größe hatte, suchte von ihren Sachen und von denen, die sie im Store hatte, für mich heraus. Sie gab mir Wäsche und Schuhe und einen Rock von sich und von den Handelssachen zwei bunte Rattunjacken und Schürzen; für meine Rinder fand sie noch von ihren größeren Rindern stammende Sachen, die ziemlich paßten.

Mr Flüchtlinge machten uns, so gut wir konnten, nützlich. Herr Ronrad, den Längs beherbergten, half Rar­toffeln und Gemüse im Garten herausnehmen, die Lrträge waren gerade in diesem Jahre ungeheure; er schnitt mit uns Frauen Rraut ein, das in Fässer gelegt wurde; von den Gemüsen wurde viel zum Trocknen geputzt. Nur ar­beiten, so viel als möglich? Das erwies sich auch m un­serer traurigen Lage als bestes Mittel, um über die schweren, schweren Stunden und Tage hinwegzukommen. Daß wir die Früchte unseres Fleißes vielleicht nicht mehr genießen konnten, daran dachten wir kaum. Vorläufig glaubten wir, noch monatelang hier aushalten zu müssen.

53. Schreckliche Nachrichten.

Die Hereros hatten uns erzählt, daß die Truppe voll­ständig niedergemacht wäre, nur wenig Leute seien am Leben geblieben. <Vb wohl das deutsche Reich die Greuel­taten rächen, ob es bald genügend Soldaten zur Nieder­werfung des Aufstandes schicken würde? Tag auf Tag verrann, ohne daß Hilfe nahte oder die geringste Nachricht über den Stand der Dinge zu uns gelangte, mit Ausnahme