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dann kehrten meine Gedanken immer von neuem zu meinem geliebten Mann zurück, den ich in Windhoek geborgen wähnte. Was würde er zu unserem Schicksal sagen!
52. Nachricht vorn Tode meines Mannes — Gefangene der Hereros iin Missionshause.
Inzwischen richteten die Missionarsfrauen das Fremdenzimmer, das in einem seitlich stehenden Gebäude sich befand, für mich her. — Als Herr Hammann nach seiner Wohnung ging, um Pflaster und einiges andere zu holen, trat sein Viehwächter, ein roher, unheimlich aussehender Herero weinend auf ihn zu und sagte: „Ich habe die Frau von Falkenhausen gesehen, Gott im Himmel weiß, welch Unrecht geschehen ist."
Ich hörte davon später, lege aber dieser Äußerung durchaus keinen Wert bei. Die Eingeborenen sind Augenblicksmenschen. Tieferen Mitleids oder anderer edler Gefühle sind sie nicht fähig; genau derselbe Kerl hätte mit kaltem Blute mich abgeschlachtet, wenn sein Kapitän es ihm befohlen oder er sich davon einen Nutzen versprochen hätte.
Nachdem das Zimmer fertig war, führten die Missionarsfrauen uns hinein, kleideten die Rinder und mich aus und wir legten uns nieder. Jedes Glied tat mir weh, die Füße waren unförmig geschwollen, mit brennendem, heftig schmerzendem Kopfe warf ich mich auf dem Lager umher. Die ZVunden taten entsetzlich weh; es war mir, als spürte ich nun erst jeden Augenblick die erhaltenen Schläge, während der Nacht kam Frau Missionar Lang, um nach uns zu sehen. Die Ärmste war durch alle die auf sie einstürmenden Schreckensnachrichten in größter Aufregung und erwartete stündlich die Geburt eines Rindchens. —
Am Morgen kamen Herr Missionar Hammann und seine Frau ^u mir; sie setzten sich an mein Bette; Frau