das doppelte. Die Bevölkerung lehnte sich dagegen auf; denn sie hatte genug an den alten Steuern und Abgaben, sie machte auch Vorschläge für die Erschließung des Landes. Mein Mann lenkte in den späteren Sitzungen das Interesse auf die Lösung der Frage, wie die Schuldverhältnisse der Eingeborenen gerecht zu regeln seien. Er wandte sich dieser Angelegenheit mit größtem Lifer und Enthusiasmus zu; leider drang er mit seinen Vorschlägen nicht durch. Gerade damals kam die neue Verordnung heraus, nach welcher die Schulden der Eingeborenen nach einem Jahr verjährten. Diese Verordnung hat sehr viel Unheil gestiftet. Davon später.
Einem Herero darf man nie glauben. Er ist ein Meister im Übertreiben und Lügen; trotzdem fast nach jedem Satze, den er spricht, die Beteuerung „(Lhirri, chirri" (es ist wahr) erfolgt. Die Herren der Regierung, welche den (Lharakter der Hereros nicht kennen, nehmen leider alles für bare Münze, was ihnen so ehrlich vorgelogen wird, und das Zeugnis dieser Menschen, denen Wahrhaftigkeit total fremd ist, wird dem eines Weißen oft gleichgestellt.
Rajata, der beim Gouverneur von jeher einen Stein im Brett hatte, weil er ^3H6 auf feiten der Deutschen gekämpft hatte — er tat es nur aus Berechnung —, war nach Ansicht aller Weißen der ärgste Gauner und Schuft, vom Gouverneur hatte er damals einen Säbel und eine Medaille bekommen. (Übrigens erklärte Herr Leutwein später, den Säbel nicht gegeben zu haben, woher Aajata l ihn dann hatte, blieb trotz der Nachforschung meines Mannes '^ein unaufgeklärtes Rätsel.) Diese Waffe spielte in Rajatas Leben eine große Rolle. Er rühmte sich, denselben Säbel wie der „Major" zu tragen und pochte auf dessen Freundschaft mit ihm, um bei anderen Hereros Räubereien aus-
^8. Übergriffe Aajatas, M3.