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Ansiedlerschicksale : elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893 - 1904 / von Helene von Falkenhausen, geb. Nitze
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Bei all diesem Unglück empfand ich es als ein Glück, daß unsere langjährige Dienerin Anna sich wieder bei uns eingestellt hatte und ihre Pflicht versah, so gut man dies von einem Raffern, der sich nicht beständig beaufsichtigt weiß, erwarten kann. Unsere Verpflegung freilich ließ, wenn mein Mann abwesend war, viel zu wünschen übrig und wie es in der Rüche und den Zimmern aussah, mochte ich gar nicht wissen.

Während unserer langen Abwesenheit hatten sich in Windhoek die von unseren Verwandten geschickten jDakete angehäuft; alle für uns bestimmten Weihnachtsgeschenke lagen noch dort. Wie hatten wir uns all die Zeit über auf diese Gaben unserer Aeben gefreut und nun fehlte es mir an Rraft, sie nur auszupacken und Axel und ich empfanden auch gar keine Freude an den vielen schönen Sachen; selbst die hübschen Spielsachen ließen ihn gleichgültig. Lndlich, nach Wochen begannen wir uns langsam zu kräftigen.

50. Unerquickliche Verbältnisse in tvindhoek eine tvinterreise. Ml.

^n Windhoek hatte sich während unserer viermonatigen Abwesenheit wieder manches geändert. Die Verhält­nisse waren indessen durchaus keine erfreulichen. Meh-- rere Ansiedler und kleinere Raufleute waren durch die zunehmende schlechte Finanzlage in Zahlungsschwierigkeiten geraten und standen vor dem Ronkurs; von einigen größeren Firmen munkelte man dasselbe. Die immer wieder auf­tauchenden Viehkrankheiten: Lungenseuche, Texasfieber und die Rinderpest, die ja wohl sehr abgeschwächt war, aber immer noch den einzelnen Ansiedlern große Verluste unter dem Großvieh zufügte, Brandseuche unter dem Rleinvieh und das so häufige Eingehen des Nachwuchses entmutigten