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Leib geschlungen. Man sieht die Leute meist mit ihren keulenartigen kurzen Stöcken, welche uns durch ihr Gewicht in Erstaunen setzten. Diese Keulen werden vielfach aus dem sogenannten Lisenholz geschnitzt. Halsketten aus Metallperlen sind bei den heidnischen Männern auch sehr beliebt und ein enggeschnallter Leibriemen, sowie ein selbstgenähtes Ledertäschchen vervollständigen den „An- ZUg".
Außer an ihrer Tracht erkennt man die Heiden an den beiden keilförmig ausgefeilten vorderen Schneidezähnen. Diese Prozedur, die im 3. Lebensjahr etwa vorgenommen wird, muß überaus schmerzhaft sein, und welchen Zweck sie hat, blieb uns unbekannt.
33. Religion, Vielweiberei) Zählen nnd Zeitberechnung) Nainen und Sprache der Hereros.
<Ls war uns äußerst interessant, über die Religion der Hereros näheres zu erfahren; aber was wir von Buschmann darüber hörten, war so verworren und unklar, daß rvir uns davon kein Bild machen konnten. Die Hereros erzählen selber nichts über ihre überlieferten heidnischen Anschauungen und ihre ererbten Sitten. Sie fürchten, sich dem Gespött auszusetzen.
Das Evangelium hat bei ihnen keine lvurzel geschlagen; dies beweisen die Grausamkeiten, die besonders christliche Hereros in dem letzten Aufstande verübten. Sie können die ererbten tief eingewurzelten Charaktereigenschaften, denen die Gebote des Christentums direkt zuwider sind, nicht auf einmal ablegen, und das Christentum ist nur eine Modesache bei ihnen. Heilig ist den heidnischen Hereros das Feuer und darf daher in ihren Wohnungen nie verlöschen. Sie sind ebenso wie die Hottentotten Fatalisten. An einen bestimmten Gott glauben sie nicht, das Wort mukurru (Gott) soll, wie uns ein eingeborener Schulmeister sagte, erst aus
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