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tagelang spurlos verschwunden, um plötzlich, sich ihrer Pflichten wieder erinnernd, mit der unbefangensten Miene von der Welt aufzutauchen. Spaß machte es uns, zu beobachten, wie ihr Gatte Witfoot diese Exkursionen seiner Frau aufnahm. Lines Tages frugen wir ihn, wo denn Maria wieder wäre, worauf er in wegwerfendem Tone erwiderte: „ik weet doch ni, waar de verdammte frumensch is". Im Innern aber kochte er vor Wut, und als er ausgekundschaftet hatte, daß sie sich auf einer Farm aufhielt, erbat sich Witfoot von meinem Manne ein Pferd, um die treulose Gattin wieder einzufangen. Nach einiger Zeit kamen sie anscheinend in größter Eintracht und Liebe zurück; Maria saß hinter ihrem Gatten und hielt ihn fest umschlungen.
30. Unterwegs nach Gobabis.
Die Regenzeit hatte früher als sonst, schon im November, begonnen. Mit ihrem Einsetzen mußten unsere Leute die Arbeiten: Ziegelformen usw. unterbrechen, und mein Mann unternahm nun eine Fracht nach Gobabis. Die Vorbereitungen zur Reise wurden getroffen, und er machte mir den Vorschlag, ihn mit unserem kleinen Axel zu begleiten. Ich kam natürlich sehr gern mit, denn die Reise währte voraussichtlich mehrere Wochen, und in diese Zeit fielen Weihnachten und Neujahr. Indessen fürchtete ich, meinem Mann eine unbequeme Reisegefährtin zu werden, da ich durch Rrankheit sehr geschwächt war. Wir hatten uns mit allen Lebensmitteln und den notwendigsten Medikamenten reichlich versehen. Mein Mann hatte im Wagen eine Lagerstatt bereitet, eine „Rattel" war unter die Segeltuchplane geschoben worden, und eine Matratze sowie einige Decken darauf ermöglichten ein angenehmes Liegen. Zur Bedienung hatte ich unseres Buschmanns „au tarras" (alte Frau).