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sehens, die Freude des Vaters über seinen Jungen. Immer und immer wieder schloß er mich und das Rind in seine Arme, wünschend, daß er uns nie mehr zu verlassen brauche.
Ls folgten nun schöne Wochen ungetrübten Zusammenlebens, in denen wir uns so recht unseres Glückes freuten.
28. Verunglückte Tour nach Rehoboth.
Auf seiner nächsten Reise sollten wir, das Rind und ich, meinen Mann begleiten. Dieselbe führte ihn nach Rehoboth. Dort wollten wir, da in Windhoek kein Geistlicher war, unser Rind vom Missionar taufen lassen, beider wurde es eine verunglückte Tour und brachte uns viele Mühsale und Aufregung. Am Nachmittag des festgesetzten Tages fand ich mich mit unserem Jungen und einer eingeborenen Frau, meiner persönlichen Begleitung, pünktlich in Groß-Windhoek ein. Da kam mein Mann und bereitete mich auf ein längeres Warten vor. Erst bei Dunkelwerden war alles zur Reise bereit; da fehlten plötzlich die Rühe, welche von der Bezirkshauptmannschaft zur Verteilung an die durch die Rinderpest geschädigten Bastards mitgegeben werden sollten (Rehoboth liegt mitten im Bastardgebiete), und als das Vieh endlich kam, war es zu spät zur Abfahrt. Nach einer Nacht, die wir im Hotel zubrachten, begaben wir uns zu den Wagen; doch fehlten jetzt einige der Linspannochsen. Wieder hieß es: warten, und erst am Nachmittage konnten die Wagen bespannt werden. Nachdem noch mehrmals die wilden Damarakühe entlaufen und wieder herbeigeholt waren, setzten sich unsere beiden Gefährte in Bewegung. Ich hatte unser Rind neben mir liegen, aber das Gerüttel war mir unheimlich, und ich nahm das Steckkissen mit dem, trotz der schuckelnden Bewegung und des j)olterns sanft schlafenden Rinde auf den Schoß, plötzlich gab es einen Ruck, der Wagen stand, Jakob, der unachtsame Treiber, war gegen einen Baumstamm gefahren, und