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Ansiedlerschicksale : elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893 - 1904 / von Helene von Falkenhausen, geb. Nitze
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in die Höhe und erkannte beim Hinaussehen durch das Fenster die dunklen Umrisse einer Herde Maulesel und Pferde auf der kleinen, mit Wellblech gedeckten Veranda. Sie schlugen einander übermütig mit den Beinen, und ein solcher Huf­schlag mag wohl die Wand unseres Häuschens getroffen und mich geweckt haben. Die Störenfriede waren aus dem Rral der Siedelungsfarm ausgebrochen und hierher gekommen, wo sie vielleicht bessere Weide erwarteten.

Als die Morgendämmerung hereinbrach, ging ich mit Anna in der Richtung nach Windhoek zu. Auf dem Wege trafen wir Spuren, die ich für Hundespuren hielt; aber Anna rief erschrocken, hier sei eine Hyäne gelaufen, und man dürfe nie, bevor die Sonne vollständig aufgegangen sei, dieser Spur nachgehen. Doch mit dem Tagesanbruch war mir der Mut gewachsen, ich ging weiter, und bei der nächsten Wegwendung kam uns ein Reiter entgegen, den ich sofort als meinen geliebten Mann erkannte. Wie groß war sein Erstaunen über mein Kommen und meine Freude, ihn gesund und wohlbehalten wieder zu haben.

2^. Wohnungswechsel. Rückkehr ineiner Angehörigen nach Deutschland.

Unser Aufenthalt auf Farm VII nahm schon Anfang April ein Lnde, da sich ein Zusammenwirtschaften mit dem Kompagnon als unmöglich erwies. Das Rompaniegeschäft wurde aufgelöst. Während ich die nächsten Tage wieder in Windhoek im Llternhause zubrachte, unternahmen der Bräutigam meiner Schwester, Herr von Schultz, und mein Mann einen Ritt nach dem Osten, nach Gobabis, in der Absicht, sich die dortige Gegend anzusehen und eventuell eine Farm zu kaufen, beider verlief der Ritt resultatlos, und sehr ermattet von den Strapazen kehrten beide heim. Durch heftige Regengüsse waren sie bis auf die Haut durch­näßt worden, stundenlang verfolgten sie ohne Weg und