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ein Stock erschien, und das ich zuerst nicht beachtete, bis es sich plötzlich zu bewegen anfing. Erkennen, daß es eine Schlange -war und Räthe zurufen, sofort aufzustehen war eins. Das Tier hatte sich durch ein Loch in der Fensterscheibe — es gab damals in ZVindhoek kein Glas, um den Schaden zu reparieren — mit der größeren Hälfte seines Körpers schon in die Stube gewunden. Meine Mutter ergriff schnell eine Axt, und während wir von außen das Reptil am Schwänze festhielten, erschlug sie es. Dieses Tier hatte eine Länge von über einen Meter.
Meine Mutter war bei solchen Schlangenbegegnungen stets sehr beherzt. So entsinne ich mich, wie sie eines Tages eine Schlange, die während des Abendessens auf der Veranda auf den Tisch zu gekrochen kam, und die durch einen Schlag nur wenig betäubt wurde, am Schwänze packte und weit fortschleuderte. ^)n der Regenzeit tauchten diese unheimlichen Tiere besonders häufig auf; da konnte man im hohen Grase stets gewärtig sein, auf eine Schlange zu treten. Einmal fand ich, als unsere Leute ein tiefes Loch für einen zu pflanzenden Baum aushoben, eine ganze Anzahl Schlangeneier, etwa einen Meter tief unter der Lrde.
20 Tod meines Vaters.
Während meiner so glücklichen Brautzeit traf uns alle ein harter Schlag: am ^8. Oktober starb mein Vater. Noch acht Tage vorher hatte er frisch und gesund unablässig im Garten gearbeitet; plötzlich stellten sich die ersten Zeichen einer ZVassersucht ein; die Füße fingen an zu schwellen, und das Gehen wurde ihm schwer; aber trotzdem ließ er sich noch nicht von der Arbeit abhalten und wollte durchaus nichts davon wissen, einen Arzt zu holen. Die Krankheit schritt indessen schnell vorwärts, und wenn er auch nicht über Schmerzen klagte, so merkten wir doch alle, daß seine
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