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reichten, über ihre Intentionen, Vermögens- und Familien- verhältnisse.
Als Ende Februar ^893 der Dampfer „Melitta Bohlen" in 5wakopmund landete, kannten wir nach einigen Tagen in Windhoek beinahe die vollständige j)assagierliste, waren auch schon über die Verhältnisse dreier Herren orientiert, die mit diesem Dampfer gekommen waren, um in der Nähe Windhoeks ein Kompaniegeschäft zu betreiben, und sahen ihrem Erscheinen mit Interesse entgegen. Als sie nach ihrer Ankunft in Brakwater bei ZVindhoek bei uns Besuch machten, hatten sie ihre Erwartungen und Hoffnungen schon bedeutend herabgesetzt; einer der drei Kompagnons hatte sich auf die erhaltenen ungünstigen Informationen hin schon zur Fahnenflucht entschlossen und reiste mit dem nächsten Dampfer nach Deutschland zurück. Die anderen Herren, von Falkenhausen und F., ließen sich jedoch nicht abschrecken, besonders ersterem gefiel es, wie er sagte, täglich besser in Südwestafrika, und beide wollten gemeinschaftlich arbeiten und Geld verdienen. Nachdem die Herren nach Klein-ZVindhoek gezogen waren, verkehrte Herr von Falkenhausen täglich in unserem Hause, und wir alle freuten uns über sein Kommen; er war ein anspruchsloser, stets hilfsbereiter und liebenswürdiger Gast und nahm an all unseren Freuden und Leiden Anteil. Ich will hier schon einfügen, daß er beinah ein Jahr später mein geliebter Gatte wurde; denn von nun an sind alle meine Erlebnisse mit den seinen verknüpft, und ich werde seiner in diesen Zeilen sehr viel gedenken.
Z6. Die Epidemie von M8.
Herr von Falkenhausen hatte schon bald nach seiner Ankunft eine schwere Zeit mit uns anderen Kolonisten durchzumachen. Kurz nach Ostern brach eine schwere Krankheit über das Land herein. —