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Der Gouverneur Leutwein hatte während des Rampfes bei Gtjunda in großer Gefahr geschwebt: sein weißes Schlachtroß war die Zielscheibe der Feinde, und als plötzlich der Schimmel von einer Rugel getroffen stürzte, glaubte zuerst jeder, Leutwein selbst sei getroffen.
55. Verhältnisse in LVindhoek W6 bis W8. — Neue Ankömmlinge.
Während die Truppen sich noch in Windhoek aufhielten, herrschte ein frohes reges Leben. Jeder fühlte sich von der quälenden Sorge und Angst vor einem Überfall der Feinde befreit. Wir konnten wieder wagen, ohne Revolver den Weg nach Groß-Windhoek zu gehen. Gs waren große Mengen Beutevieh nach Windhoek getrieben; die Herden sollten nach Tausenden zählen, und bei einer von der Regierung abgehaltenen Auktion vergrößerten die Ansiedler ihre Viehbestände auf billige Weise. In seinen großen Viehherden bestand und besteht noch heute der einzige Reichtum des Landes, und in einigen Iahren kann sich der Bestand eines einzelnes Besitzers verdoppeln und verdreifachen; aber die Unsicherheit auch dieses Besitzes mußte schon mancher Ansiedler erfahren.
^898 kam aus Transvaal die Runde zu uns, daß unter den dortigen Viehbeständen die Rinderpest in der schrecklichsten Weise aufräume, und immer weiter schien die Seuche sich zu verbreiten, immer bedrohlicher für unsere Kolonie klangen die Nachrichten, plötzlich brach auch bei uns die Rinderpest aus, und große Herden wurden in kürzester Zeit von ihr hinweggerafft. Wahrscheinlich wäre das Schutzgebiet seines einzigen Reichtums vollständig entblößt worden, wäre nicht durch energische Absperrungsmaßregeln und durch die Rochsche Serumimpfung, die von freiwillig sich meldenden Ansiedlern ausgeführt wurde, die Seuche bekämpft worden. Immerhin soll weit über die Hälfte des vorher