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gezollt haben, wenn denselben von „oben" her mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht würde, aber man unterstützte sie in keiner Weise in ihrem Vorwärtskommen. Der Ansiedler galt nichts, schon die Bezeichnung „Ansiedler" faßten manche als Beleidigung auf. Die Schwarzen dagegen galten alles, und sogar auf das Zeugnis dieser notorischen Lügner wurde ebensoviel, manchmal, wie man sagen hörte, mehr sogar gegeben, als auf das der Weißen.
j2. Geselliger Verkehr. — Schwarze Gäste. — Der Hererokapitän Samuel Maharero als Freier.
In unserem Hause in Rlein-Windhoek hatten wir beinahe täglich Besuch; Beamte, Offiziere, Raufleute kamen von Groß-Windhoek, meist zu Pferde, herüber und verplauderten gern einige Stunden bei uns. So manchen Nachmittag und Abend brachten wir, auf der Veranda sitzend, in fröhlicher Gesellschaft zu. Waren musikalische Elemente unter den Besuchern, so sangen wir mehrstimmige Lieder, oder ich spielte auf dem Klavier. Dann umlagerten meist die Eingeborenen die Fenster und lauschten andächtig der Musik, für die sie sämtlich Verständnis haben. Bei einem lustigen Tanz sprangen sie lachend umher, es zuckte ihnen förmlich in den Gliedern; doch am beliebtesten schienen die Thoräle, von denen ihnen viele Melodien bekannt waren. „Ach bleib mit deiner Gnade" singen selbst viele Heiden, und als ich eines Tages den Thoral „Wachet auf" spielte, kam unsere damalige Ratharina aus der Rüche und sang leise mit: „Auak, Auak frenti, enti pyrin" usw., das wohl eine Übersetzung des deutschen Textes bedeutete. Der Schulmeister der Witboys, Samuel Isaak, der uns nach dem Friedensschluß öfters besuchte, bat stets darum, einige Thoräle auf dem Rlavier spielen zu dürfen. Der Hererokapitän Samuel legte mir eines Tages vier Mark auf den Tisch, mich bittend, ihm etwas vorzuspielen. Mein Vater