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Ansiedlerschicksale : elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893 - 1904 / von Helene von Falkenhausen, geb. Nitze
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Auch zu Weihnachten sielen unter diesen Verhältnissen die Geschenke schmal aus, und da das Fest in die heißeste Jahreszeit fällt, ist es unmöglich, sich zu einer so frohen Weihnachtsstimmung aufzuschwingen, wie zu Hause in Deutschland. Wir richteten uns zwar alljährlich ein Christbäumchen her, so gut es möglich war: die Äste und Zweige eines hübsch gewachsenen Dornenbäumchens wurden mit wildem Spargel umschlungen und dann mit Kerzen und Lametta ausgeputzt. Kleine Rüchen wurden gebacken, gebrannte Mandeln und Konfekt fabriziert und das ganze Zimmer mit Schilf und Gleanderblüten aus­geschmückt. Unsere kleinen Geschenke lagen schön geordnet auf der Tafel. Wenn wir dann die Kerzen an dem Bäumchen angezündet und unter den Klängen des Weihnachtsliedes: Stille Nacht, heilige Nacht", das ich auf dem Klavier begleitete, unserer schwarzen Gesellschaft zunächst ein­beschert hatten sie erhielten Kleidungsstücke, Kuchen, Leckers" (Süßigkeiten) und eine Flasche Schnaps, die stets schon von ihrem Eintritt an der Brennpunkt ihrer begehr­lichen Blicke war setzten wir uns unter den kleinen Weih­nachtsbaum, bis die Lichter herabgebrannt waren; dann löschte Lieschen eine Kerze nach der andern aus, wir sahen ihr zu, und in wehmütiger Stimmung an vergangene Christ­feste in der Heimat denkend, gingen wir hinaus auf die Veranda und saßen still beieinander auf d^n Stufen der breiten Treppe, die in den Garten führte es war keine rechte Weihnachtsfreude bei uns eingekehrt.

8. Wechsel in der Verwaltung Getäuschte Friedenshoffnung.

Ls nahte sich Neujahr und mit dieser Jahres­

wende sollte auch ein Wechsel in der Verwaltung unserer Kolonie eintreten. Der von Soldaten und Ansiedlern so sehr verehrte Major von Fran?ois, dessen unermüdliche Tätig-