Druckschrift 
Ansiedlerschicksale : elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893 - 1904 / von Helene von Falkenhausen, geb. Nitze
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

31

7. Teure preise. Weihnachten.

Wir hatten, um Verlusten zu entgehen, bald unsere Pferde wieder abgeschafft und mußten, um Einkäufe in Groß- Windhoek zu machen, den Weg immer zu Fuß zurücklegen. Ls war oft unbeschreiblich heiß, die Fußsohlen brannten uns beim Gehen über die von der Sonne den ganzen Tag beschienenen steine. Der Weg war schattenlos, dabei führte er bergauf, bergab; auch die Hauptstraße in Windhoek, an welcher die Stores oder Raufläden liegen, ist vollständig schattenlos.

In solch einem afrikanischen Store gibt es alles zu kaufen: Schuhwaren, Heringe, Bekleidungsstücke jeder Art, Seife, <Lisen, Holzwaren, Getränke dieses der am besten gehende Artikel. Nur Waffen und Munition bekommt man nicht. Die Regierung hat das Monopol auf den Verkauf dieser Waren, und sie hat die preise für dieselben konform den Lebensmittelpreisen in Groß-Windhoek angesetzt, d. h. mit ungeheurem Ausschlag.

Lin Geschäft mit so hohem Verdienste ist von seiten der Regierung ein Zeichen sehr geringer Rulanz. Die Stores allerdings müssen, um bestehen zu können, hohen Aufschlag nehmen; die Gehälter für ihre Angestellten und für die schwarze Dienerschaft sind sehr hoch; ferner hat ein Windhoeker Raufmann sehr viel mit Verlusten zu rechnen, die ihm durch den langen Transport entstehen; die Liefe­ranten fordern für die gesandten Waren Zinsen, und in Afrika ist der Warenumsatz meist ein Kreditgeschäft. Bar­geld gibt es nur wenig; hauptsächlich werden die ent­nommenen Waren mit Vieh bezahlt. Aber dem neu ins Tand Gekommenen erscheinen die preise enorm. So kostete ^893 ein Pfund Reis 80 Pf., ein Pfund Zucker ^ Mark, ein Paket Streichhölzer 75 Pf. bis ^ Mark, und wenn wir mit einem Zwanzigmarkstück nach Windhoek gingen, um kleine Geschenke einzukaufen, etwa einen Gürtel, etwas Band und Toilettenseife, so brachten wir gewiß nicht viel Geld zurück.