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geschossen. Nachdem noch eine Schutztruppenverstärkung eingetroffen war, rückten fast alle verfügbaren Mannschaften nach dem Süden ab unter Führung des Majors von Fran^ois, um den Feind, der sich in der Nauwkloof verschanzt haben sollte, dort anzugreifen. Inzwischen hatte Windhoek nur einige Mann Besatzung unter Leutnant v. H. Jeder von den vereinzelt wohnenden Ansiedlern traf Vorsichtsmaßregeln; wir mußten ja stets auf einen Überfall der Witboys gefaßt sein. Lines Abends wurden wir und unsere Nachbarn, S., durch Schüsse von Windhoek her alarmiert. Die Männer bewaffneten sich, die Frauen sollten sich in den Reller verstecken, alles lief in Verwirrung hierhin und dorthin, wir Frauen saßen im dunklen Zimmer angstvoll beisammen, bis ein Bote, den mein Vater ausgeschickt hatte, uns nach langem, bangem Warten die Nachricht brachte, Leutnant v. H. habe mit der Besatzung eine Übung abgehalten, — also war unsere Angst und Aufregung überflüssig gewesen. Doch haben Hendriks Leute Windhoek tatsächlich öfter aufgesucht und Vieh gestohlen. Aber da sie von den Posten bemerkt wurden und auf sie geschossen wurde, wagten sie es nicht, bis in den Grt hereinzukommen.
6. Unser Viehstand.
Hauptsächlich hatten Witboys Leute es wohl auf das Vieh abgesehen, und als nach Ausbruch der Lungenseuche in Groß-Windhoek auch unser Rindvieh geimpft und auf einen ^)solierposten in einiger Entfernung von Windhoek gebracht werden mußte, waren wir in beständiger Angst, daß es uns von dort gestohlen würde. Wir hatten auch prachtvolle Tiere, unser Stolz. Mein Vater hatte als Erster den Versuch gemacht, europäisches Vieh zu importieren, um die einheimische Art zu verbessern. Unser Simmenthaler Bulle Muni hielt sich zwar leider schlecht: die dürftige