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Handbuch des Deutschtums im Auslande / Einl. von Fr. Paulsen. Statist., geschichtl. und wirtschaftl. Übersicht von F. H. Henoch. Hrsg. vom Allgemeinen Deutschen Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande
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Südaustralien. Neu-Sceland.

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Jung gibt eine Probe des südaustralischen Deutsch, das stark mit Englisch unter­mischt ist. Der Laden heißt Store, die Versteigerung Sale, der Vater briugt der Mutter Jam (Fruchtuuß), den Kindern Lollies (Zuckerwerk) mit. Vor derBar" imHotel", wo er einenDrink" nimmt, erzählt der Bauer, er müsse seiue Drcih grießen" (Karre schmieren).

Die meisten Dörfer weisen Gotteshäuser auf uud die Gemeinden gehöreu entweder zur sogencmnteuAustralischen Synode", die streng altlutherisch ist und nur in Südaustralien und Viktoria Anhänger aufweist. Die Verfassung der Evangelisch-lutherischen Jmmanuel-Syuode" ist demokratischer und auf diese Kolonie beschränkt. Von ihr zweigte sich dieEvangelisch-lutherische General­synode Australiens" ab, der die Gemeinden von Queensland uud Neu-Südwales zugehören. Um die wenig erfreuliche Uneinigkeit noch zu vergrößern, gibt es endlich dieVereinigte deutsch-skandinavische Synode" in Queensland.

Rein deutsche Schulen gibt es nirgends. In einzelnen Fächeru, wie eng­lische Grammatik, englische Geschichte und Rechnen, wird englisch unterrichtet. Dafür aber bemüht man sich in den offiziellen Regierungsschulen, die, weil sie unentgeltlich Schüler ausnehmen, deu deutschen viel Abbruch tun, wenn auch nur eine halbe Stunde täglich, deutsche Sprachlehre zu treiben und die Kinder not­dürftig die Sprache ihrer Eltern lesen zu lehren. Sie sind dann im stände, eine deutsche Zeituug, vielleicht auch ein deutsches Buch zu verstehen. Die Lasten, die den Gemeinden aus der Unterhaltuug der Schulen erwachsen, erleichtert ein ansehnliches Vermächtnis (Schmidts Schenkung").

Die Lehrerbildungsanstalt iu Hahndorf ist eingegangen, das erwähnte Seminar zu Murtoa in Viktoria forgt für neue Kräfte. Der Wahruug und Förderung ihrer Interessen, der Pflege der Wissenschaften und eiues kollegialischen Verhältnisses dienen zweiLehrer-Vereine". Wenn auch die Aussichten der deutschen Schule in Australien keine glänzenden sind, so scheint doch Anlaß zur Besorgnis über die Zukunft dieser Stütze des Deutschtums nicht vorhanden zu sein.

Deutsche Geselligkeit und demsche Sitte pflegen in allen größeren deutschen Ortschaften Südaustraliens Gesang-, Turn- und Schützenvereine.

Leider sehlen statistische Angaben über den Kapitalreichtum der Deutscheu in Südaustralien, gewiß ist die Schätzung von 200 Millionen Mark zu niedrig.

Meu Seeland.

Die auf Neu-Seelands beiden Inseln lebenden 12000 Deutscheu macheu 1,5°/« der Bevölkerung aus. Ein Teil wohnt in der Nähe der Stadt Nelson auf der Südinsel an der Cook-Straße; die Dörfer Nen-Dors, Ranzau, Ober- Muteri, Sorau lassen zum Teil Schlüsse auf die Herkunft ihrer Bewohner ziehen. Auf der Nordinsel finden sich Volksgenossen in den Dörfern Norsewood und Marton, vor allem aber in der Stadt Wanganui. In der Nähe der Hauptstadt Wellington ist Weitotara zu nennen.

In den Städten sind die Deutschen Handwerker (Schneider, Fleischer, Tischler) uud' Kleinhändler, auf dem Lande Ackerbauer und Viehzüchter. In den gelehrten Berufen sind sie schwach vertreten. In Wellington mögen 100 deutsche Familien leben, zumeist Handwerker. DieDeutsche Liedertafel" zählt 80 Mitglieder. Der deutsche Klub kommt nur einmal wöchentlich in ge­mieteten Räumen zusammen. Iu Auckland ebenso; hier gibt es nur 50 Deutsche.

In den Provinzen Otago und Canterbury auf der Südiusel sind die Volksgenossen stärker vertreten. In Otago leben etwa 500 zum großen Teile aus Australien herübergekommene Deutsche, Goldsucher, Handwerker, Handlungs­diener und Kleinbauern in leidlich guten Verhältnissen. In der fruchtbaren Canterbury-Ebene haben sich deutsche Bauern angesiedelt und erzeugen Ge-