Viktoria. — Südaustralien.
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worden. Andere kamen als Bergleute und ließen sich im Jllawarra-Distrikt, um Alburn herum, sowie in Jindera, Geropern, Wallawalla und in Burrum- bidgee nieder. An den Ufern des Clarenceflusses bauen einige Deutsche Zuckerrohr.
WKtorm.
Von den 15 000 Deutschen dieser Kolonie leben nur 2000 in der Hauptstadt Melbourne. Sie sind Handwerker und Arbeiter, wenige Aerzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Buchdrucker und Kaufleute. Das Melbourner Deutschtum nimmt eher ab als zu. Die von Deutschen angelegten Vorstädte Coburg und Heidelberg haben ihren deutschen Charakter langst verloren. Die deutsche Kirche kann als Stütze des Voltstums kaum gelten; ihr Geistlicher war früher jüdischer Weinreisender und beschäftigt sich hauptsächlich mit Bücherkolportage. Die Schule ist auch nur Tagesschule. Allsonnabendlich wird 3 Stunden deutscher Sprachunterricht erteilt. Seit Mai 1899 arbeitet ein deutscher Schulverein auf ihren Ausbau zur Vollschule hin. Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes. Eine deutsche Zeitung sehlt in der ganzen Kolonie, dasür wird das Blatt Südaustraliens gehalten. Sieben deutsche Vereine weist Melbourne ans. Der „Deutsche Verein von Viktoria" zählt 100 Mitglieder und verfügt über ein eigenes Heim. „Con- eordia", „Tivoliklub", „Gesangverein", „Turnverein", „Quartettverein Arion" sind die Namen der übrigen. Zuletzt sei der segensreich wirkende „Deutsche Krankenverein" erwähnt.
Zur Zeit der Goldentdeckungen lebten 30000 Deutsche in Viktoria; da die Minen darniederliegen, wanderten die meisten wieder ab. Dasür kam eine Zuwanderung aus Südaustralien. Vornehmlich wohnen heute die Volksgenossen im Wimmera-Diftrikt. Die Namen Murtoa, Natimuk, Dimboola, Hors- ham, Hopetown, Kornheim, Ni-Ni, Hochkirch, Doneaster, Ballaarat, Bendigo und Germantown bei Geeloup bezeichnen deutsche Psarrgemeinden, in Ballaarat und Bendigo befinden sich auch deutsche Klubs. Neben Weizenbau wird viel Milchwirtschaft getrieben. Im Wimmera-Bezirke sind einige württembergische Dörfer so in sich abgeschlossen, daß sie noch gar kein Englisch gelernt haben. Eine Reihe von Schulen unterrichtet deutsch, im Seminar von Murton werden die Lehrer hierzu herangebildet.
Die deutschen Kapitalinteressen in Viktoria werden aus 150 Millionen Mark geschätzt.
Südaustral'ien.
1836 sandte die Londoner „Südaustralische Kompanie" den Geologen Johannes Menze, später der „Vater der südaustralischen Mineralogie" genannt, mit deutschen Bergleuten, Steinmetzen, Bauern und Winzern in dieses Land. Auch im nächsten Jahre folgte eine kleine Schar deutscher Kolonisten, Hattenheimer Winzer, die, was im weinarmen England niemand versteht, die Kultur der Rebe unter den sonnigen Himmel Neu-Hollands tragen sollten. 1838 traf eine größere Gruppe Deutscher ein. Seitdem setzte in drei Perioden die deutsche Einwanderung stärker ein.
An einem Novembertage 1838 legte der Segler „Prince George" im Hasen von Adelaide an. Er führte, wiezwei hundertJahre früherdie „Manflower" diePilger- väter, 200 um ihres starren altlutherischen Glaubens willen drangsalierte Märker. Vor den Toren von Adelaide gründeten sie, entsprechend dem Heimatsdorse im Kreise Züllichau-Schwiebus, ein neues Klemzig, in dem wieder ihr 70jähriger Pastor Klavel Seelsorger war. Sie waren Musterbilder in Fleiß und Eifer, lehrten die andern Weinbau, Schafschur und fachmännische Zubereitung der