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Queensland. — Neu-Süd-Wales.
Alle diese Siedler sind fast durchweg Landwirte; in den Mittelstädten gibt es wenige deutsche Kaufleute. In der Hauptstadt Brisbane, wo etwa 600 deutsche Familien wohnen, sind die Mehrzahl der Deutschen Handwerker, Gastwirte, Krämer, Lohnarbeiter. Alle leben in guten Verhältnissen. Sie haben sich zu Vereinen, darunter einem Turnverein mit eigener schöner Turnhalle, zusammengetan. In Brisbane erscheint seit Anfang der siebziger Jahre die „Nordaustralische Zeitung" und seit 1894 der rührige „Queensländer Herold".
Zur Erhaltung des Deutschtums haben ferner die lutherischen Geistlichen (24 Prediger in mehr als 50 Gemeinden) reichlich beigetragen. Sie haben sich der preußischen Landessynode in Berlin angeschlossen. Daneben bestehen Gemeinden deutscher Baptisten, deutscher Katholiken, Apostelgemeinden usw., ein Zerrbild englischen Sektiererwesens.
Von ferne schon erkennt man die deutsche Siedelung. Die Felder sind sorgfältig und sauber bestellt, die Fachwerkhäuser machen einen heimatlichen Eindruck. 132 000 Iia im Werte von 5 600 000 Mark in den Städten und 14 200 000 Mark aus dem Lande sind deutsches Eigentum. In der Industrie arbeiten, nach Schätzung, 3 200 000 Mark deutsches Kapital, mit 9 Millionen Mark sind Deutsche an deu Queensländer Goldgruben beteiligt. Ihr Gesamtbesitz wird auf 56 Millionen Mark geschätzt.
Im Hauptorte des Darling Down-Bezirkes Toowoomba sind unter mehr als 10000 Einwohnern über 1000 Deutsche, in der näheren uud ferneren Umgebung reiht sich eine deutsche Farm an die andere. Die Stadt hat drei deutsche Kirchen und zwei aus eigener Kraft unterhaltene deutsche Schulen. Angebaut werden Weizen, Mais, Zuckerrohr (wir befinden uns zu beiden Seiten des südlichen Wendekreises),, daneben Wein nnd Orangen. Ein hoher Staatsmann äußerte sich vor Jahren folgendermaßen über die deutschen Kolonisten: „Die Deutschen treten in ihrer heimischen Tracht aus dem Einwandererschiff, halten sich 2 bis 3 Tage im Einwandererhause auf und verschwinden dann im Busch. Man hört und sieht nichts von den Leuten, bis sie nach 1^/s bis 2 Jahren eines Tages wieder erscheinen. Und wie? Auf einem mit gut gehaltenen Pferden bespannten Wagen kommt der Mann mit Frau und Kindern nach der Stadt gesahren, alle sind gut gekleidet und auf allen Gesichtern spiegelt sich die Befriedigung wieder über das Los, das sie gewählt haben."
Um-Süd Wales.
Von den 10 000 Deutschen dieser Kolonie leben gegen 4000 in der Hauptstadt Sidnen. Sie sind Handwerker und Kaufleute mit sehr gut gehenden Geschäften, daneben Gelehrte und Künstler. Ueber 50 Handelshäuser arbeiten mit 85 Millionen Mark Kapital, fast ebenso viel sind in Bergwerken angelegt. Die deutschen Kapitalinteressen in Neu-Süd-Wales beziffern sich auf insgesamt 200 Millionen Mark.
Die deutsche Gemeinde in Sidnen erbaute 1881 eine kleine Kapelle im romanischen Stile. Die wöchentlich ein mal erscheinende „Deutsch-australische Post" hat viele Leser, als Aulegehasen der Postdamvserlinien des „Norddeutschen Llovd" in Bremen hat Sidnen seit 1887 stetige Verbindung mit dem Deutschen Reiche. An deutschen Schulen sinden sich in Sidney nur eine Tages- und eine Sonntagsschule, wo Lesen, Schreiben und Gesang in deutscher Sprache unentgeltlich gelehrt wird. (Weiter befindet sich eine deutsche Schule in Jindera.) Der „Deutsche Klub" in Sidnen zählt 150 Mitglieder, daruuter ein Drittel nicht stimmberechtigte Engländer. Daneben blühen „Handwerkerverein Coneordia", „Gesangverein Germania", „Deutscher Turnverein", „Deutscher Musikverein", zur Unterstützung notleidender Landsleute der „Deutsche Hülfsverein". Eine Anzahl von Deutschen ist des Weinbaues wegen nach Neu-Süd-Wales gerusen