Pozuzu-Kolonie. Bolivien.
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mittlere Jahrestemperatur von 25° 0. (Maximum 37°, Minimum 12° 0.) Der Wechsel zwischen trockener und nasser Jahreszeit ist tropisch. Wirkliche Dürre tritt selten ein, da kaum einmal eins der aus dem Urwald kommenden Bergwässer versiegt.
Die durch Ausrodung des Waldes gewonnene dunkle, poröse Humuserde ist sehr fruchtbar. Das Ackerland hat eine schräge Lage, es kommen Neigungen bis 40° vor.
Die Urwälder enthalten viele edle Nutzhölzer. Angebaut werden Mais, wichtig sür die Viehzucht, als menschliche Nahrung verdrängt vom Reis. Manioka heißt hier Iuea, wird, da es viel von den Agutis, zerstörenden Nagern, heimgesucht wird, gern ersetzt durch die Pituca, die Knollen von der Form und Gestalt unserer Kartoffel liefert. Kasfee findet sich nur strauchartig, liefert aber wegen ihres Aromas geschützte Früchte. Tabak würde mehr Gewinn erzielen, wenn er sachmännischer präpariert würde. Coca, ein von den Indianern gebrauchtes Narkotikum, dient nur dem Export, wobei Deutschland der Hauptabnehmer des in der Medizin verwandten Mittels ist. Zuckerrohr wird nur zur Branntweinbereitung (Cana) angepflanzt. Unter den Gemüsen spielen Bohnen und Gurken eine Rolle. Die Viehzucht (Rinder, Schweine) sorgt nur sür den Hausbedarf, darum wird auch viel Geflügel gezüchtet. Lasttiere sind Pserde, Maultiere und Esel. Ziegen und Schafe zeigten einen Hang zum Verwildern und verschwanden im Urwald. Die Indianer ziehen das Meerschwein als Leckerbissen.
Das Deutschtum in Peru findet vom Mutterlande ebensowenig Unterstützung, wie aus sich selber heraus. Die Kolonie am Pozuzu erhält sich deutsch durch ihre Abgeschlossenheit. Die Deutschen in der Hauptstadt und in Callcw vernachlässigen die Schule, in der die Unterrichtssprache spanisch ist und das Deutsche nur ein Unterrichtsfach darstellt und können keine Zeitung am Leben erhalten.
Deutsche Konsuln in Peru.
(Sitz, Amtscharakter, Amtsbezirk.)
Arequipa, Konsul, die Departements Arequipa, Avierimac, Cuzco, Puno, Provincia litoral, de Maqugua und die Provinz Tarala. Cuzco, Konsular- Agent. Mollendo, Vize-Konsul, die Provinz Jslan. Cajamarca, Konsul, die Departements Cajamarca, Amazonas und Chachaponas. Callao, Konsul, die konstitutionelle Provinz Callao. Jquitos, Vize-Konsul, das Departement Loreto. Lima, Konsul, die Departements Lima, Ancachs, Huanuco, Junin, Huancavelica, Anacucho und Jca. Piura, Konsul, das Departement Piura. Salaverrn-Trujillo, Konsul, das Departement Libertad und Lambaneque. Pacasmano, Konsular-Agent.
Aolwien.
In Bolivien leben, nach Schätzungen, 200 Deutsche. Sie haben seit 1855 einen großen Teil der Handelsgeschäste an sich gerissen. Es bestehen deutsche Häuser in Cochabamba 5, in Oruro 4, in La Paz 6, Santa Cruz und Sucre je 4, Potosi und Tarija je 3, in Corocoro 1. Außerdem weisen einzelne Orte Bierbrauereien aus, die den landesüblichen Zuckerrohr- branntwein zu verdrängen beginnen. Drei Aerzte und etwa 20 Handwerker vertreten andere Berufe in dieser Republik.
Obwohl das Land sast bis an den Wendekreis heran reicht, ist eine stärkere Besiedelung ausgeschlossen, wenigstens solange die anbaufähige Hochebene, deren Mittelpunkt die Stadt Oruro ist, vom Meere abgeschlossen bleibt.