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Peru, insbesondere Pozuzu.
Ueru.
Man schätzt die Anzahl der Deutschen in Peru aus 2000. Statistisch sichere Gewähr sür diese Ziffer gibt es nicht, gewiß ist sie nach oben abgerundet.
1876 wurden in der Hauptstadt Lima unter 16000 Fremden (die Chinesen eingerechnet) 320 Deutsche und 84 Oesterreicher gezählt, wobei zu bemerken ist, daß unter letzteren viele Dalmatier sind, die sich zu den Italienern halten. Heute mögen in Lima 800 Deutschsprechende wohnen, 800 in der Kordilleren- Kolonie am Pozuzu, der Rest verteilt sich im Lande, eine größere Zahl weist die Hafenstadt Callao auf (schätzungsweise 200).
Das ganze Land hat trotz seiner Lage zwischen dem 8. und 15. Grad südl. Br. kein heißes Klima, Limas höchste Temperatur im Schatten wird aus 30" 0., die niedrigste auf 15° 0. angegeben. Die Deutschen daselbst sind Kaufleute und Handwerker. Sie unterhalten zwei aus schwachen Füßen stehende Schulen, taten sich zu zwei geselligen Vereinen „Germania" und Schützengilde „Vaterland" zusammen und bildeten schon 1859 den „Deutschen Hülfsverein", der nicht nur für arme Kinder das Schulgeld bezahlt, fondern Unterstützungen jeder Art gewährt. So läßt er deutsche Landsleute, die in dürftigen Umständen starben, bestatten. In Callao-Lima amnert seit 1899 ein evangelischer Geistlicher. Seelenzahl 500. In Callao, welchen Hafen jährlich zahlreiche Schiffe anlaufen, sind die Deutschen zumeist Kaufleute; ebenso in Piura (30 Deutsche) und Pana, Trujillo, Pisco, Mollendo, Arequipa. In ganz Peru gibt es an 60 deutsche Handelshäuser mit 75 Millionen Mark Kapital.
Eine Bremer Firma hat auf ihrer Zuckerfabrik Cafa Grande eine Reihe von deutschen Beamten.
Rein deutsch ist die Ackerbaukolonie am Flusse Pozuzu.
Im Juli 1857 landete in Callao eine Anzahl von Deutschen, eingeladen durch den Freiherrn Damian von Schütz. Sie trasen gegen Ende des Jahres in Santa Cruz ein, wo sich vorerst keine Möglichkeit bot, sie nach dem zehn Meilen entsernten Ziele am Pozuzu zu befördern. Der 18 monatliche Aufenthalt in Santa Cruz lehrte sie Land und Leute kennen; einige machten diese Erfahrungen mutlos, sie kehrten um. Der Rest von 170 gelangte im Juli 1859 nach dem Pozuzu, wo man mit Eifer an die Kolonifationsarbeit ging. Den ersten 80 Familien folgten, geleitet von den Herren Martin und Scotland einige Jahre später weitere 80 deutsche Haushaltungen. Stetig wuchs die Siedelung, der Subpräfekt von Huanuco begünstigte sie durch Wege- und Brückenbau, so daß sie die Ueberschüsse ihrer Produkte ausführen konnte. Nach dem Tode dieses Gönners verwuchsen die Straßen oder wurden durch Bergstürze verschüttet. Erst 1868 wurde dem abgeholfen, und es fand eine neue Zuwanderung statt, wie die erste aus Tirol und Banern, im geringen Maße aus dem Rheinlande, da die preußische Regierung sich ablehnend verhielt. Von 260 haben etwa ein Viertel die Kolonie bald wieder verlassen. Jetzt mögen etwa 800 katholische Deutsche in den Gemeinden Cudacna, Tirol und Rheinland am Pozuzu wohnen, in guten wirtschaftlichen Verhältnissen.
Sie bilden keine dorfartig zusammengefügte Ortschaften, sondern bewohnen einzelne Häuser und Gehöfte, die inmitten des dazu gehörigen Grundbesitzes liegen. Die Seelsorge besorgte von Anfang an der katholische Psarrer Joses Egg, dem auch die Schule unterstand. Sein Nachsolger wurde Pfarrer Schäferer.
Klima und Landwirtschaft der Kolonie Pozuzu.
Am Ostabhang der Kordilleren, unter dem 10. Breitengrade, im Mittel 800 Meter über dem Spiegel des Stillen Ozeans, am Mittellaufe des Flusfes Pozuzu, der zum Stromgebiet des Amazonenstromes gehört, herrscht eine