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Turkestcm. — Kaukasien. — Kleinasien.
HurKestan.
Zu Taschkent in Turkestan befindet sich eine deutsche Kirche für die 70V dort lebenden Volksgenossen. Die Mehrzahl sind Balten und von Beruf Beamte, Offiziere, Apotheker, Lehrer und Kaufleute. Oberhalb von Taschkent trifft man auf eine Ansidelung schwäbischer Bauern, die 1892 vom Kaukasus hierher verpflanzt wurdeu. Als Forstbeamte und Regierungsbeamte, als Bierbrauer und Baumwollenhändler leben etwa 20 Deutsche im Territorium Fergana. Zwischen Perowsk und Aulie Ata gründeten deutschrussische Mennoniten einige Dörfer, wie sich auch in der Nähe von Chiwa, in Ak Metsched, 1880 gegen 40 Familien dieser Sekte niederließen, um dem Militärdienst zu entgehen. Sie müssen indessen, wie ihre Glaubensgenossen im europäischen Rußland ihre Militärzeit in den kaiserlichen Forsten abdienen.
Kaukasten.
Transkaukasien soll 23 000 Deutsche beherbergen. Die neun evangelisch- lutherischeu Gemeinden Baku, Batum-Kutais,Jekaterinodar-Noworossisk, Pjätigorsk, Schemacha, Stawropol-Wladikawkas, Tiflis, Militärgemeinde Tiflis, Taschkent gehören zum Moskauer Konsistorial-Bezirk. Die Bevölkerung der Hauptstadt Tiflis umfaßt neben Reichsdeutschen viele Balten und Oesterreichs (nach Schätzungen 2000 Deutsche). In der Nähe verteilen sich mehrere schwäbische Dörfer. Alle entstanden durch die Auswanderung protestantischer Separatisten, denen in Württemberg Schwierigkeiten bereitet wurden. So zogen 1817 an 8000 Köpfe in 14 Kolonnen zu je 100 Familien Donauabwärts. Viele blieben in Ungarn und Rumänien zurück, mehr als 1100 starben an einer Seuche in der Quarantäne an der russischen Grenze. 300 Familien gründeten in Südrußland Hosfmannsthal. 178 Ansiedler gelangten im September 1817 nach Tiflis. Erst im Frühling des nächsten Jahres folgten 500 Familien nach, die russische Regierung hatte sie ursprünglich in Bessarabien und Cherson zurückhalten wollen. Bis Oktober 1818 zählte man in Tiflis 3000 zugewanderte Schwaben. Marien- feld, östlich von Tiflis, ist die älteste Siedeluug. Die Ansiedler hatten durch Kriege und Krankheiten zu leiden. So starben im ersten Jahre in Katharinen- feld ein Drittel.
Heute werden etwa 9000 Schwaben in 11 Dörfern gezählt, deren jüngstes Paulinendorf (Petrowka) bei Kars 1892 gegründet wurde. Katharinenfeld, das größte Dorf, hat 1822, Helenendorf 1819, Elisabeththal 1618 Einwohner. Aller Voraussicht nach werden die deutschen Dörfer noch auf Jahrzehnte hinaus ihr Volkstum bewahren. Die acht Gemeinden: Elisabeththal, Marienfeld, Katharinenseld, Helenendorf, Alexandershilf, Annenfeld, Alexandersdorf und Georgiewskoje werden als die evangelisch-lutherifchen Kolonial-Gemeinden in Grusien bezeichnet und unterstehen dem evang.-luth. Generalkonsistorium zu St. Petersburg. — In den Minen- uud Petroleumstädten sind deutsche Ingenieure und Kaufleute tätig, in kleineren Orten Transkaukasiens deutsche Gastwirte und Handwerker. In Tislis amtiert ein Berufskonsul, in Baku ein Wahlkonsul, in Bat um ein Vizekonsul.
Kleinasten.
Kleinasien weist durch die Bagdadbahn eine Reihe von Deutschen auf, zumeist Bahnunterbeamte und Wirte. So in Haidar Pascha, Eskischehr, Kaisarie. Der Umstand, daß sich auch schon einige deutsche Ackerbauer dort niederließen, zwingt zur Erwähnung der Gegensätze in den Ansichten über bäuerliche Kolonisation in Anatolien. Landkonzessionen, die die einen für Deutschland