Die böhmische Sprachscheide.
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insbesondere bei den beiden letztgenannten. Dort zu Gunsten der Tschechen, die z. B. in der Reichshauptstadt Wien auf über 100 000 stiegen, hier zu Gunsten der Italiener.
2. Ueberwiegend deutsche Kronländer Oesterreichs sind Kärnten, Steier- mark und Tirol. Alle drei verbesserten von 1890 bis 1900 das Verhältnis der Deutschen.
3. Ueberwiegend slavisch (in den Sudetenländern tschechisch, in dem Karpathenlande ruthenisch) sind mit 20—50°/« deutscher Bevölkerung Böhmen, Mähren, Schlesien und die Bukowina. Hier sind verhältnismäßige Zunahmen bei Böhmen im geringen, bei der Bukowina in beträchtlichem Maße festzustellen. Mähren und Schlesien weisen bedeutende Rückgänge aus.
4. Von den übrigen vier Kronländern ist Krain ein rein windisches, Galizien ein überwiegend polnisches, Küstenland (unter Zusammenrechnung der Winden, Serbokroaten, Tschechen, Polen, Ruthenen) ein überwiegend slavisches, Dalmatien ein rein serbokroatisches Land.
Die Bestände des Deutschtums in den beiden Erzherzogtümern, in Salzburg uud Vorarlberg sind im großen und ganzen unantastbar, und wir verzichten darum aus eine nähere Betrachtung, die sich in erster Linie aus die oben in Abschnitt 3 genannten Sudetenländer, in zweiter auf die überwiegend deutscheu Alpenländer zu erstrecken hat, wo einmal die Italiener, zum andern die Winden unser Volkstum bedrohen.
Böhmen.
Noch steht die Linie, die wir heute in Böhmen zur Abgrenzung des deutschen Besitzes vom tschechischen ziehen, nicht sest, weil die Einzelergebnisse der letzten Volkszählung noch nicht bekannt gegeben sind. Wir kennen sie bisher nur aus den Gerichtsbezirken (siehe Tabelle Seite 14—20), noch nicht aus den Ortschaften.
Ein reindeutfcher, zwischen 10 und 50 Km breiter Rand, ein tschechischer, von deutschen Sprachinseln durchsetzter Kern das ist beim Anblick der Karte der erste Eindruck über die Verteilung des böhmischen Bodens unter die beiden Nationen. Das deutsche Randgebiet stellt sich seinem wirtschaftlichen Charakter nach und nach der Siedelungsgeschichte als recht verschieden dar. Beginnen wir die Verfolgung der Sprachgrenze vom Schnittpunkte des 14. Meridians östlicher Länge von Paris mit 50° 30' nördlicher Breite, so verläuft sie zuerst nördlich bis Bodisch, unfern des durch feine grotesken Felsbildungen bekannten Wekels- dorf, wendet sich dann aber ebensoweit wieder südlich bis über Starkstadt hinaus. Von da wiederum nordwärts sast bis zum Dorfe Mackausch, danu an die Aupa, westlich von der tschechischen Stadt Eipel bis zur Elbe und noch darüber hinaus. Hier im Bezirke Königinhos ist die Grenzlinie schwer oder gar nicht zu ziehen. Erst vom Switschin-Berge bis an den Fuß des Riesengebirges läßt sich wieder eine Richtung festhalten. Sie geht mit zahlreichen Krümmungen und Ausbuchtungen auf der rechten Elbseite nordwärts.
Am Riesengebirge im Bogen entlang bis zur preußischen Grenze sich dehnend, dreht sich von hier an die Sprachscheide nach Südwesten. Prichowitz, Tannwald, Schumburg und Reichenau im Gablonzer Bezirk sind hier die ersten deutschen Vorposten; sodann müssen wir über die Kcunnitz, zum Kovainberge, ins Mohelkatal bis zum Jeschkengebirge, nordwärts von Böhmisch-Aicha, welches Städtchen schon durch die rings brandende tschechische Umslutung zur Sprachinsel wurde. Die Grenze verläuft von hier weiter südwestlich gegen Hühnerwasser nach Krupai und den Bösigkuppen unweit Vöhmisch-Hirschberg, von da am Wratner-Berg vorbei bis Liboch, wo sie wieder die Elbe erreicht. An deren linkem User bildet nun bis Theresienstadt und Leitmeritz ein schmaler Streifen die Scheide. Dann zieht sie sich südlich von Lobositz und Trebnitz entlang, um das Mittelgebirge herum bis Leneschitz bei Laun, setzt bei Priesen über die Eger