Vorwort.
Dieses Buch ist nicht bloß für jene gründlicheren Parlamentarier und Tagesschriftsteller bestimmt, die hinsichtlich der Bedeutung unserer Landsleute außerhalb des Deutschen Reiches über die landläufigen halbmvthischen Vorstellungen hinaustrachten zu eiuem wirklichen Wissen. Auch der weiterblickende Kaufmann mag daraus manche Anregung schöpfen, wohin er seine Ausfuhr mit Erfolg richten kann; denn erfahrungsgemäß folgt der Handel gern der Sprache. Der Verleger findet eine reiche Adresfenliste von Abnehmern, die sich freuen, weit entfernt vom Mutterlande wie sie sind, vom Neuesten unseres Büchermarktes und vom Besten unserer Lehrmittel zu hören. Die Hunderte von Lehrern, die von der Wohltat jüngster Verordnungen Gebrauch machen und einige Jahre in einer interessanten Kolonistenschule wirken möchten, gewinnen hier eine übersichtliche Orientierung. Missionare, nationale und andere Vereine wollen oftmals wissen, auf welche Stützpunkte deutschen Denkens sie in der weiten Welt zu rechnen haben: hier ist Auskunft. Selbst Kolonistenschulen, die gar nicht so weit auseinander liegen, sind sich oft unbekannt und bedürfen eines Verzeichnisfes, wie es hier solgt, um miteinander in Fühlung zu kommen. Endlich soll jedem Leser, der das Buch ausnimmt, enthüllt und bis ins einzelne zum Bewußtsein gebracht werden, welch ein großartiges Netz deutscher Kulturorganisation über die Erde ausgespannt ist; daraus wird sich von selbst die Folgerung ergeben, wie förderlich es ist, dieser Geistesgemeinschast anzugehören, wie kurzsichtig aber und töricht, sie gering zu schätzen und, wenn man im Auslande lebt, sie nicht den Kindern mit aller Kraft zu erhalten.
Die Anlage des Buches war demnach so einzurichten, daß zu der statistischen Zählung der deutschen Abkömmlinge, wie sie schon mehrfach gegeben wurde, am besten von Prof. Langhans-Gotha im „Alldeutschen Atlas" und in der „Deutschen Erde", noch Berichte über ihre Bildungs- und Wirtschaftsverhältnisse hinzutraten. Ueber die Schulen im Auslande haben wir das liebevolle Buch von Prof. I. P. Müller-Antwerpen, 2. Aufl. 1900, worin leider die Vereinigten Staaten nur fummarisch behandelt und auch^ sonst mancherlei Anstalten dem fleißigen Versasser entgangen sind. Für die deutschen Zeitungen über See war man bisher auf die Geschäftskataloge einzelner Annonceninstitute angewieseu. Für die volkswirtschaftliche Seite des Deutschtums im Auslande lagen vollends nur zerstreute Einzelschriften vor. Besonders sür das letztere Gebiet war es ausnehmend schwierig, einen sorgsamen Bearbeiter zu finden. Nach mancherlei