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Smaragdinseln der Südsee : Reiseeindrücke und Plaudereien / von Alexander Pflüger
Entstehung
Seite
198
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Tamara mit seinen noch kleineren Nachbarinseln, und die Sainson- gruppe, bestehend aus den Inseln Alv, Angel und Selev, sind der niedrigen, dichtbewaldeten Brandenburgküste vorgelagert. Aus Seleo be­findet sich eine Station der Neuguinea-Compagnie und aus Tamara eine Niederlassung der katholischen Mission. Wir benutzen die kurze Zeit bis Sonnenuntergang und lassen uns in dem Boote der freundlichen, an Bord ihre Aufwartung machenden Mre,8, an Land rudern. Unsere Boots­leute sind Eingeborene aus dem Bismarck-Archipel; an Stelle ihrer faulen und arbeitsscheuen Brüder vom Festlande dienen sie in ganz Kaiser- Wilhelmsland, neben Chinesen und Malanen, als Kulis. Sie sind dunkelbraun, von kräftiger Figur, mit groben Gesichtszügen und kurzem, krausem, hellgelb gebeiztem Haar.

Am Strande erhebt sich unter Palmen, von einem hübschen Garten und einigen Eingeborenenhütten umgeben, das einfache Wohnhaus der Mission. Auf einem Fußpfade gelangen wir rechts durch Busch und Alang-Alang-Wiesen in zehn Minuten zu den: nächsten größeren Dors, wo einige zwanzig Hütten unregelmäßig im Schatten hochstämmiger Kokospalmen durcheinanderstehen. Die Bauart ist sehr einfach: ein großes Dach von Palmblättern erhebt sich aus mannshohen Pfosten, die niedrigen Giebelwände sind aus dem gleichen Material, und eine kleine Thür, mittelst einer Leiter erreicht, gestattet den Einblick in das finstere, wenig lieblich duftende Innere.

Mitten unter den Häusern zeichnet sich eines durch ein turmartiges Dach, rot und schwarz bemalte Wände und reichliche Schnitzerei an Leitern und Pfosten aus. Es ist ein Barakhaus, in dem der vom Dors verehrte Geist merkwürdigerweise immer dann zu erscheinen und zu wohnen pflegt, wenn die Männer Gelüste nach einem reichlichen Schmause empfinden. Einige Tage vorher kündigt der unsichtbare Herr sein Erscheinen durch geheimnisvolle, aus dem Mangrovegebüsch des Strandes erschallende Flötentöne an. Dies ist zugleich ein Zeichen für die Weiber, ein Schwein zu schlachten, Taros aus dem Busch zu holen und alles zum Festmahl des Geistes rüstig vorzubereiten. Wiederum ertönen die säuselnden Klänge, diesmal aus größerer Nähe, und nun verschwinden Weiber und Kinder im Busch, denn, so sagt die Überlieferung, der Geist tötet die Frauen, die sich in seinen Dunstkreis wagen. Wenn sie wiederkehren, sind geleerte Schüsseln und abgenagte Knochen die stummen Zeugen der heiligen Handlung.

Böse Zungen behaupten freilich, daß das Konzert ganz natürlich zu stände komme, und daß die Flöten in dem besagten Hause, das die