Und so hoffe ich, daß der geneigte Leser nicht nur im Geiste uns begleiten, sondern sich auch ermannen wird, selbst einmal von diesem verführerischen, nicht allein Genuß, sondern auch reiche Belehrung bietenden Tränke zu kosten. Weg drum, deutscher Michel, mit Käseblatt, Bierkrug und Nörgelei, und „frisch auf, grad in die Welt hinein", wo dir der Wind der weiten See um die Ohren weht und das kleinliche Geschwätz von Nachbarphilistern und Reichsboten vom Brausen des Weltverkehrs übertönt wird.
Wir liegen also behaglich auf dem großen, schönen Oberdeck der „Stettin", im langen, bequemen Rotangstuhl, und sehen am fernen Horizont den Gunung Api im blauen Dunste verschwimmen. Nachmittags erscheint die Küste von Ceram; wir fahren, nicht weit von Gisser, durch die enge Straße zwischen Goram und dem Ceramlaut- Jnseln hindurch, um mit scharfer Biegung den Kurs nach Nordnordwest zu nehmen.
Am Vormittage des nächsten Tages passieren wir die kleinen Schildpattinselchen, und nun geht^s, wie auf einem breiten Flusse, durch die Sagoeienstraße zwischen Batanta und Salawati hindurch. Rechts und links Hügel und Urwald, am Strande einige wenige Pfahlbauten. Bald nimmt uns die Dampierstraße auf, und wir halten uns ziemlich nahe der bergigen, bewaldeten Küste, bis wir an die Geelvinckbav eintreten. Hier werden am folgenden Nachmittag die Inseln Mofur und Jappen passiert, und am nächsten Morgen durchfahren wir, außer Sicht des Landes, das grüne Wasser, das der mächtige Rochussenfluß aus dem Inneren Neuguineas dem Meere zuführt. Ein merkwürdiges Naturschauspiel harrt unser gegen Mittag. Auf der spiegelglatten See bemerken wir in weiter Ferne einen langen, am Horizont sich verlierenden, schimmernden Streifen. Wie wir uns nähern, erkennen wir ihn als haarscharfe Grenze zwischen dem grünen Wasser des Flusses und dem intensiv blauen des Meeres, durch treibendes Holz und weißen Schaum noch deutlicher markiert. Abends erscheint im Süden die bergige Insel Kumamba, und am nächsten Morgen haben wir uns wieder der Küste bis auf wenige Meilen genähert. Wir erblicken deutsches Land, denn in der Nacht wurde die Grenze gegen den holländischen Besitz passiert, wobei die Zollbeamten sich nach der ernsten Aussage des Kapitäns sehr entgegenkommend gezeigt haben. Allmählich werden die Berge niedriger, lange Streifen flachen Landes begleiten uns, abwechselnd mit niedrigen Hügelketten. Nun erscheint am Horizont ein mächtiger, blauer, vielgezackter Gebirgszug, das Torricelligebirge, und bald liegen wir vor der kleinen Insel Tamara in Berlin Hafen vor Anker.