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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
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zu füttern und mit menschlichem Urin zu tränken. Mehr ins Völkerkundliche schlägt ein von den Be­wohnern von Ngurumahamba gehegter Aberglaube, nach dem dieNunda", d. i. ein hinterlistiges, gewalttätiges und gefürchtetes Wesen, sei es Mensch oder Tier, in Gestalt einer riesigen Schlange im Busch auf Menschen lauert, die sie dann beim Vorbei­marschieren umbringt und auffrißt. Und was der­artiger Belege für die Bestialität und das Vorwalten niedriger Instinkte bei jenen Söhnen einer un-

gebändigten Natur mehr sind. Wie tief die Neigung zu Gewaltakten den Leuten im Blute steckt, zeigt doch auch der S. 30 erwähnte Vorfall, wo die kaum von der Beschneidung geheilten Knaben eine arglos des Wegs daherkommende Frau aus lauter Übermut und aus Freude eben an der Gewalttat in die Sklaven­gabel legen. Wenn das bei solchen unausgewachsenen Knirpsen schon möglich ist, um wieviel stärker wird dann die Neigung erst bei Erwachsenen sein.

Zusammenfassung und Rückblick.

Von Betätigungen einer so niedrigen Gesinnung, wie sie aus den erwähnten Kriminalakten hervorgeht, habe ich sonst während meiner Expedition nur wenig bemerkt; nur zwei Fälle sind mir noch in Erinnerung. In einem hatte ein Ehemann seine Frau wegen eines

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geringfügigen Versehens in scheußlichster Weise körperlich mißhandelt, wofür er in ganz legalem Ver­fahren und mit erfreulicher Promptheit seitens des zustehenden Akiden Matola zu der Maximalzahl der zulässigen Peitschenhiebe verurteilt wurde. In dem andern Fall hatte ein Makondebursch einen arglos und harmlos seines Wegs dahinziehenden Lands­mann, der seine paar Ziegen zur Küste zu führen im Begriff war, hinterlistig aus dem Busch heraus über­fallen und mit seinem langen Messer arg zugerichtet. Die ganze Schläfenpartie dieses Unglücklichen klaffte, von einem langen Horizontalhieb des Messers ge­troffen, bis auf die Knochenhaut weit auseinander; der linke Oberarmmuskel war fast in seiner ganzen Länge vom Oberarmknochen losgeschält; außer­dem hatte er noch eine Reihe anderer Stiche und Schnittwunden davongetragen. Ein Vernähen der Wunden mit Seide war nicht angebracht, da mit dem Übeltäter zugleich auch das Opfer zur Küste mar­schieren mußte, wobei die Möglichkeit der Heraus­nahme der Nadein gänzlich gefehlt hätte. So hat es ein einfaches Säubern und Verbinden der furcht­baren Wunden auch getan; der Verletzte ist in der Tat schon fast völlig verheilt an der Küste an­gekommen. Auch der Übeltäter, dieser aber erst nach einigen Zwischenfällen. Von Mahuta aus gab ihm der Wali den kleinsten und schwächsten seiner Ba- haria (Matrosen) als Transporteur mit. Schon nach dem ersten Nachtlager hatte dieser nichts mehr zu hüten, denn sein Bewachungsobjekt war längst über alle Berge. Zum Glück für den kleinen Krieger hatte aber der Flüchtling seine Kette nicht zu sprengen

vermocht, so daß er an ihr erkannt worden war und vom ersten pflichttreuen Jumben hatte wieder eingeliefert werden können.

Von diesen vereinzelten Vorkommnissen ab­gesehen, sind meine Eindrücke vom Charakter der Be­völkerung des Südostens unserer Kolonie im all­gemeinen als gut zu bezeichnen. Die Wamuera schließe ich aus; mit ihnen bin ich zu flüchtig in Berührung gekommen, als daß ich über sie und ihre Eigenschaften ein Urteil fällen könnte. Einen aus­gezeichneten Eindruck habe ich von den Jao ge­wonnen; ihre politische Zuverlässigkeit und Treue ist ja durch die großen Ereignisse der letzten Jahre genugsam erhärtet worden, aber sie sind unzweifel­haft auch wirtschaftlich ein durchaus tüchtiges und zukunftreiches Volk, das die Aufmerksamkeit, mit der man regierungsseitig seine Führer, besonders Matola und Nakaam, behandelt, vollauf verdient. Be­dauerlich ist nur der Umstand, daß sie der Zahl nach so sehr zurücktreten; doch auch so bilden sie den Sauerteig, der mit seiner Tatkraft und rührigen Wirtschaftlichkeit nach und nach die ganze trägere Masse der übrigen Bevölkerung durchdringen wird.

Mit den Jao konkurrieren in der Wertschätzung der Weißen lediglich die Makua. Auch sie sind ja neu im Norden des Rowuma und einstweilen auch noch nicht übermäßig zahlreich vertreten; doch auch sie bilden für uns ein unstreitig wertvolles Element, das von dem einen oder dem andern der weißen Herren sogar höher eingeschätzt wird als die Jao. Allerdings scheinen sie nicht die Zuverlässigkeit dieser letzteren zu besitzen, wie ihr zweifelhaftes Benehmen während des letzten Aufstandes bewiesen hat; zudem ist bei ihnen die Neigung, bei vorkommenden Miß­helligkeiten mit der deutschen Regierung über den Rowuma hinüber ins portugiesische Gebiet zurück­zukehren, immer sehr stark vorhanden. Es wird also

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