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photographischen Platten bis auf geringe Reste zu Ende, so daß ich die Abendstunden zum erstenmal in der ganzen Zeit nicht in der Dunkelkammer, nämlich dem hermetisch verschlossenen Zelt zuzubringen brauchte, sondern mich, im bequemen Liegestuhl ruhend, dem Genuß der herrlichen Natur hingeben konnte; wie ich mir selbst ohne Überhebung sagen durfte, nach der unausgesetzten, keinen Tag unterbrochenen Arbeit so vieler Monate eine wohlverdiente Muße. Dann kauerten sich meine 24 Mann zu meinen Füßen nieder; mit wohllautendem Bariton setzt Pesa Mbili I, mein wackerer Trägerführer, ein; weich und durchaus nicht ungefällig schmeichelt sich die Melodie seiner Worte in mein Ohr; seine klare Stimme dringt weit über die Palisaden der Borna in den schweigenden Makondebusch hinaus; wallgleich aufgebaut steht ringsum die Menge der Autochthonen. Da fällt mit gewaltigem Baß der Chor ein; drei- und vierstimmig erschallt jetzt, von mehr als 20 Kehlen gesungen, der Refrain; durchaus harmonisch fügt des Vorsängers Stimme sich in ihn hinein; in stetem Wechselgesang geht das Lied zu Ende.
Allerdings einen Mangel hat diese Musik der Wanjamwesi: den schönen, getragenen Melodien entspricht kein gleichwertiger Text. Soweit es die geringe Kenntnis des Suaheli meiner Leute zuließ, habe ich auch diese Texte gesammelt; aber wie fallen sie tatsächlich ab: zusammenhanglose Sätze, die gleichgültigsten Dinge behandelnd, oft sogar unvermittelte Worte, die überhaupt keinen Zusammenhang mit dem übrigen haben — das ist alles!
An Kategorien hatten meine Wanjamwesi Marschlieder, einfache Tanzlieder, zur Ndono, dem bekannten Musikbogen, gesungen, sodann Hochzeitslieder, und schließlich Arbeitslieder. Diese letzteren interessierten mich am meisten; sie waren auch am besten durchgearbeitet, gaben sie doch in Rhythmus und Tonfall aufs genaueste und sprechendste den Takt wieder, in dem die betreffende Arbeit ausgeführt wird. Ein beim Hacken der Felder gesungenes Lied dieser Art ist zweifellos eins der schönsten Vorkommnisse dieser von unserem Leipziger Nationalökonomen Bücher so erfolgreich behandelten Kunstbetätigung. *)
*) Bücher, Arbeit und Rhythmus, 3. Aufl. Leipzig 1900.
Rückmarsch zur Küste.
So angenehm der Aufenthalt in Mahuta unter den obwaltenden Umständen auch war, und so interessant sich das Studium meiner eigenen Leute gestaltete, so konnte ich mich dennoch nicht der Erkenntnis verschließen, an die Beendigung der Expedition denken zu müssen. Zunächst war ich mit meinem technischen Material, den photographischen Platten, den Phonographenwalzen und den Kinemato- graphenfilms, bis auf geringe Reste zu Ende, sodann wäre hier in Mahuta für mich 'auch dann nichts mehr zu tun gewesen, selbst wenn die Eingebornen noch in der alten Weise gekommen wären; ich hatte in der Tat einen beträchtlichen Teil jenes Materials auf ihre Aufnahme verwendet. Doch was ausschlaggebend für meinen Entschluß war, das war meine Übersättigung. Ich hatte ohne einen Tag auszusetzen und an jedem Tage vom frühen Morgen bis in die späte Nacht gearbeitet; jetzt mochte und konnte ich nicht mehr. Mehr als einmal habe ich mich ertappen müssen, wie ich an den interessantesten ethnographischen Tatsachen vorüberging, ohne die geringste Notiz von ihnen zu nehmen. Eine solche Übersättigung tritt in den Tropen sicherlich bei jedem wissenschaftlichen Arbeiter einmal ein; auch mein Freund Professor Sapper, der nicht weniger als 12 Jahre auf die Erforschung Mittelamerikas verwandt hat, betont ausdrücklich, daß er nie länger als 4 bis 5 Monate ohne auszusetzen hat arbeiten können.
Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, ErgäDzungsheft 1.
Zu einem Teil ist es der Mangel jeden Komforts und die veränderte Lebenshaltung, zum andern die stete körperliche und geistige Anspannung, die nun einmal mit der Durchführung einer solchen Expedition verknüpft ist, was diese Ermüdung herbeiführt. Bei meinem Unternehmen traten außerdem die geschilderten klimatischen Umstände mit ihren Folgewirkungen für die Eingeborenen hinzu, schließlich aber doch auch die erfreuliche Tatsache, daß ich meine wissenschaftlichen Aufgaben, soweit es in der immerhin beschränkten Zeit möglich war, gelöst hatte. Was an der ethnologischen Aufnahme jener Völker noch fehlt, werden andere Forscher mit Leichtigkeit nachholen können. Der letzte Umstand endlich, der mich zum Aufbruch veranlaßte, war ein sehr schmerzlicher und betrübender Unfall, dem einer meiner Leute zum Opfer fiel.
Während unseres Aufenthalts in Mahuta hatten die Eingebornen aus dem Rowumatal immer häufiger die Anwesenheit zahlreicher Elefanten gemeldet; Knudsens Jagdeifer war infolgedessen nicht mehr zu zügeln, und eines Abends zog er mit seinem Diener Wanduwandu, seinem Koch 'und einigen Söhnen jenes Flußtals von neuem auf die Jagd aus. Zwei Tage später, gegen Mittag, kam der Norweger, den rechten Arm in der Binde und ohne seinen treuen Diener Wanduwandu, zurück. Tags zuvor hatte Knudsen im Verein mit einer ganzen Schützenkette vorderlader-
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