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tola mit seinen Leuten vom Westrand des Hochlandes in die Ebene hinuntergestiegen ist, so scheint es auch hier im Süden zu sein. Seit dem Bau der Borna von Ntschitschira ist ja von den Mawia auch nichts mehr zu befürchten. Ein ferneres Moment ist die Neuheit der Feldanlagen im Rowumatal. Dort steht ein prachtvoller, stolzer Hochwald, der wohl die Aufmerksamkeit unsrer Forstverwaltung verdiente; in ihn hinein hatten die Eingeborenen gerade angefangen Bresche zu legen. Wie immer, wo der Neger kultiviert, war es eine Raubkultur schlimmster Art: die starken Stämme geringelt und nachdem sie abgestorben, mit Reisig und Unterholz umtürmt und angezündet. In langen, weißen Streifen deuteten die Aschenhügel noch auf die einstige Stattlichkeit der Waldriesen hin (Taf. 51 Abb. 2). Zwischen diesem Gewirr von halbverkohlten Baumresten und Wurzelstrünken dann hie und da ein unregelmäßiges Beet oder Feld von Gemüsepflanzen, Kürbis, Hirse oder Mais; das ist das Bild, wie es sich 1906 darbot. Einstweilen waren es nur wenige, lange, schmale Streifen, die in dieser Weise in den alten Urwald hinein geschlagen waren; wird man aber dem Neger nicht in den Arm fallen, so ist zu erwarten, daß an die Stelle des schönen, alten Urwaldes in einigen Jahrzehnten der häßliche, neue Busch, die Folgeerscheinung aller Negerkultur getreten sein wird.
Für die Jugendlichkeit des Pfahlbaues spricht auch noch ein anderes Moment: das unmittelbare Nebeneinander von Erdbauten und Pfahlbauten, wie es Abbildung 2, Tafel 61 darstellt; jener ist die altüber
kommene Form, die man gewohnheitsmäßig noch beibehalten hat, der andere die neue Errungenschaft, in die man sich nachts zurückzieht.
Der mittlere Röwuma war für mich nach den langen Wochen eines an Arbeit überreichen Aufenthalts in der staubigen, trockenen lichten Baimigr;i>- steppe von TschingulunguUi eine wahre Erquickung gew esen. Zwar hatte dort allabendlich vom Indischen Ozean her talaufwärts ein solcher Sturm gerast, daß wir beiden Europäer uns schon kurz nach Sonnenuntergang in unsere Betten hatten flüchten müssen, um es überhaupt auszuhalten; doch die wundervoll grüne, üppige Ufervegetation und die Reize des breiten Strombettes mit seinen Einzelarmen und den hohen, grünen Inseln hatten uns über diesen Übelstand hinwegsehen lassen. Hier am Unterlauf war das Flußtal zwar auch schön grün, aber es fehlte der Gegensatz zu dem Plateau, dessen Vegetation in ebendemselben Grün erstrahlte. Dafür war es schon jetzt, noch vor dem Beginn der Regenzeit, hier unten erstickend heiß: 36y 2 0 im Schatten und gar weit über 40° unter dem Zelt waren die Normaltemperaturen. Dazu Anopheles in Hülle und Fülle, Menschen als Forschungsobjekte aber gar nicht — man darf sich also nicht wundern, wenn ich es vorzog, mein Lager möglichst bald an einen anderen Ort zu verlegen. Über die Borna von Ntschitschira bin ich Ende Oktober nach Mahuta zurückmarschiert, nachdem ich vom Kingoni noch soviel aufzunehmen mich bemüht hatte, wie aus den Intelligenzen des Stammes herauszuholen war.
Aufenthalt in Mahuta.
Das heutige Mahuta (d. h. etwa „Ölheim") liegt nicht dort, wo es auf dem Blatt G. 6 Massassi von 1901 der Karte von Deutsch-Ostafrika eingezeichnet steht, sondern reichlich 10 Kilometer west-südwestlich. Von der ganzen Anlage, die für 1904/05 amtlich mit nicht weniger als 838 Hütten verzeichnet wird, ist für den Fremdling nichts zu sehen als die Borna. Ganz ähnlich wie in Ntschitschira liegt auch sie über dem Steilabhange des Plateaus, aber nicht so unmittelbar wie dort, wo man von der Palisade aus steil nach unten auf den Röwuma blickt, sondern etwa 300 Meter vom Plateaurand ab. Den Röwuma erschaut man auch hier, aber er ist weit entfernt, erstreckt sich doch zwischen ihm und Mahuta jene erwähnte lange, schmale, vom Nkundi erodierte Schlucht, die den ganzen Südzipfel des Makonde- plateaus halbinselartig von der Hauptmasse abtrennt.
Unleugbar ist die Anlage der Borna strategisch gut durchgeführt; sie hat Schußfeld nach allen Seiten und liegt beherrschend für alle Hauptverkehrswege des ganzen südlichen Hochlandes.
Für mich war Mahuta aus anderen Gründen wichtiger. In der Borna residiert der Wali, der höchste farbige Beamte des Plateaus. Abdallah bin Malim war ein Suaheli; er war entschieden nicht schön, dafür aber um so redseliger. Aber er hat es verstanden, mir im Lauf der drei Wochen meines Aufenthaltes so ziemlich die ganze Bevölkerung des ihm unterstellten Gebietes vorzuführen. Zunächst war der Andrang sogar etwas zu groß; ich hatte manchmal gleich viele Hunderte von Makonde-Männern, Frauen und Kindern auf dem Bomaplatz versammelt, so daß ich mich hätte vervielfältigen müssen, wenn ich alles, was zu sehen und aufzuzeichnen war, hätte bewältigen