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tieren konnte. In der Gesamterscheinung traf der Ton 24 etwa das Richtige. Weniger in seinem Farbenkomplex als in seiner Physiognomie aus dem Rahmen seiner Landsleute heraus trat ein Makua, den ich am Schluß meines Aufenthaltes in Massassi photo- graphieren konnte. Er war der richtige Australier, nur daß die Ziernarben auf der Brust hier anders waren als am anderen Ufer des Indischen Ozeans, und daß die Augenbrauenwülste nicht über das Gewohnte des Negers hinausgingen (Taf. 3 Abb. la b). Über die Ziernarben soll an anderer Stelle besonders berichtet werden.
Der Polizeiposten Massassi liegt in wirtschaftlich außerordentlich günstiger Lage; der Boden ist das
fruchtbare Verwitterungsprodukt der benachbarten gewaltigen Gneiskuppen; an Wasser fehlts zu keiner Jahreszeit. Demnach befindet sich der gesamte Ost- und Südfuß jener Bergreihe weithin unter intensivster Negerkultur. Für den Handwerkslehrer Knudsen und auch für mich war der Aufenthalt gleichwohl nicht gesundheitfördernd; Knudsen hatte sich zweifellos schon an der Küste infiziert; ich selbst mußte befürchten, mir durch mein Wohnen in der, wie ich erst zu spät erfuhr, auch von Eingeborneri benutzten Rasthütte Rückfallfieber zugezogen zu haben. Anfang August mußte ich mich deswegen zu einem Ortswechsel entschließen.
Marsch nach Süden und Aufenthalt bei Matola.
Neben dem Jao-Häuptling Matola in Tschingulu- ngulu ist der Jao-Häuptling Nakaam in Tschiwata die bekannteste und meist genannte Persönlichkeit im Westen des Makondehochlandes. Tschiwata selbst lag mir zu sehr abseits; ich marschierte deswegen von Massassi aus gen Osten nach Mwiti, einer Ortschaft am Westrande des Plateaus, wohin Nakaam von seiner Residenz herunterstieg, um mit mir zusammenzutreffen. Nakaam erhebt heute den Anspruch, ein reiner Jao zu sein, er stammt indessen ursprünglich von Makua ab und hat die Metamorphose zu dem Endzweck vorgenommen, um für vornehmer zu gelten. Über seinen ursprünglichen Machtbereich kann ich nicht urteilen; heute ist er wie auch Matola ein Akide im Solde der deutschen Regierung wie so viele andere Dorfhäuptlinge auch, nur daß Matola auch heute noch über Hunderte von Gewehrträgern und Lanzenwerfern verfügt, während die meisten anderen Akiden nur einen winzigen Heerbann hinter sich haben. Als Mensch macht Nakaam einen höchst intelligenten Eindruck; über den russischjapanischen Krieg wußte er ganz gut Bescheid und war auch sehr wohl über deutsche und englische Verhältnisse unterrichtet. In Mwiti bewohnte er während meines Aufenthaltes ein außerordentlich stattliches Haus mit vielen Zimmern, das er sich am Beginn dieses Jahrhunderts von einem Baumeister von der Küste hat errichten lassen und das in seinen Türverzierungen sogar Elfenbeineinlagen aufweist. Über manche Sitte und manchen Brauch seines Volkes gab er mir bereitwilligst Auskunft, doch reichte seine Macht anscheinend nicht weit genug, auch meine ethnographische Sammlung in der von mir erwarteten Weise zu vergrößern; seine Untertanen
Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten. Ergänzungslioft 1.
brachten trotz aller Ansprachen und Befehle nur unwesentliche Kleinigkeiten.
Ein Gemisch echt menschlichen Mitgefühls und roher Barbarei ist nach Nakaam die B e h a n d 1 u n g 1 e p r a kranker W a j a o. Im südlichen Küstengebiet sind diese Unglücklichen heute auf einer oberhalb Lindi im Ästuar des Lukuledi gelegenen Insel untergebracht, woselbst sie von dem ärztlichen Personal Lindis überwacht werden. Bei den Jao baut man ihnen eine Hütte tief im Walde, wo sie gänzlich isoliert leben, und wohin ihnen die Nahrung von Angehörigen und Stammesgenossen gebracht wird. Droht die Krankheit in ihrem letzten Stadium eine üble Wendung zu nehmen, so bringt man dem Patienten noch einmal recht reichlich Speise und Trank in die Hütte, verschließt dann dessen Haustür ganz fest von außen und überläßt den dem Tode Geweihten seinem Schicksal. Dieses Schicksal ist der Hungertod.
Die Heimat der reinen Jao, die Nakaam von unreinen streng unterscheidet, ist nach diesem Häuptling Likopoloe, ein Hügel (in Wirklichkeit wohl eine Hügellandschaft) im Gebiet von Chissi, auf portugiesischem Gebiet zwischen Mataka und dem Unangu- hügel. Der Häuptling Mputa habe sie von dort verjagt, als Nakaams Mutter ein kleines Kind war, das auf allen Vieren kroch. Nakaam ist nach seiner Aussage das vierte Kind seiner Mutter; ich schätze ihn auf 40 bis 45 Jahre. Mputa ist damals im Verfolg des Krieges bis zum Makuahäuptling Malija gezogen und hat ihn geschlagen; darauf ist Mputa zurückgegangen nach Chirobwe nahe dem Njassa und nahe bei der Landschaft Ujere. Nach Mputa kamen andere Makua und zersplitterten die Jao noch weiter.
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