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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
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nähme fremder Sprachen", Berlin 1892, zu stützen. Es ging nicht. Für das Abfragen einfacher Vokabeln genügt das Buch; Sätze weist es schon gar nicht auf, und für die so sehr komplizierte Formenlehre der Bantusprachen bietet es noch nicht einmal den Raum zum Niederschreiben. Ich bin sehr bald von ihm ab­gegangen, habe mir in sehr großen Durchschreib­heften Kolumnen eingerichtet und habe dann, unter Zugrundelegung der ausgezeichneten Suaheligram­matik von Carl Velten, die Syntax und die Formen­lehre der von mir berührten Sprachen hübsch über­sichtlich nebeneinandergeschrieben, wenigstens so­weit es mir in der kurzen, mir zu dem Zweck zur Verfügung stehenden Zeit möglich war. Es wird Sache des Kolonialamts sein, zum mindesten für unsere im Bantusprachgebiet gelegenen Kolonien für eine zweckentsprechendere Anleitung Sorge zu tragen.

8. Gar nicht zur Geltung gekommen ist meine topographische Ausrüstung. Sie bestand nur aus einem Aneroid, einem Peilkompaß und einigen Schleuderthermometern; aber auch diese wenigen In­strumente ihrer Bestimmung zuzuführen, habe ich keine Muße gehabt. Routenaufnahmen waren in dem küstennahen Gebiet, wo die Lage der Hauptorte ziem­

lich gut bestimmt ist, überflüssig; im weitern Hinter­lande aber war es nicht meine Aufgabe, rastlos von Ort zu Ort zu ziehen, sondern bis zur Erledigung meiner ethnographischen Aufgaben ruhig an einer Stelle zu bleiben. Eine Festlegung der einzelnen Sied­lungen und Wege wäre zwar aus dem Grunde nötig gewesen, weil gerade die hiesigen Völker ruheloser sind als viele andere Afrikaner, so daß das Siedl ungs- bild von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erheblich wechselt. Kam ich aber nach vielleicht vielwöchigem Hausen an einem Ort endlich einmal zu einem Marsch, so war dann naturgemäß die Lust zu der zudem ungewohnten Tätigkeit des Routen- aufnehmens nicht groß. Verloren ist durch diese Unterlassungssünde gleichwohl nur wenig; mir blieb entweder die Wahl, mich mit meiner ganzen Ar­beitskraft in meine völkerkundlichen Studien zu ver­tiefen und voraussichtlich Ersprießliches zu leisten, oder aber mich zu verzetteln und mit lauter un­befriedigender Teilarbeit zurückzukehren. Ich habe das erstere vorgezogen, schon aus dem Gedanken heraus, daß die Eigenart jener Völker unrettbar dahin­schwindet, während die geographischen Züge auch noch in Jahrzehnten ziemlich unverwischt vorhanden sein werden.

Marsch bis Massassi.

Mein Aufenthalt in Lindi war kein ganz frei­williger gewesen; in Rücksicht auf den kaum be­endigten Aufstand hatte mir das Gouvernement die Weisung mitgegeben, mich mit Bezirksamt und Schutztruppe wegen eines genügenden militärischen Schutzes ins Einvernehmen zu setzen. Bei meiner Ankunft in Lindi war der Kaiserliche Bezirksamtmann, Herr Ewerbeck, noch im Innern auf einer Inspektions­reise begriffen; mit ihm der bewegliche Teil der Lindier Polizeitruppe. Am 5. Juli kehrte Herr Ewer­beck an die Küste zurück, aber schon am 11. hat er es möglich gemacht, mit mir den Abmarsch von der Küste ins Innere von neuem anzutreten. Über den Reiseweg bis Massassi, seine Geologie und seine Bodenbedeckung besitzen wir das klassische Werk W. BornhardtsZur Oberflächengestaltung und Geo­logie Deutsch-Ostafrikas", Berlin 1900; es wäre dem­nach gänzlich überflüssig, besonders seitens eines geologischen Laien, hier zu wiederholen, was in jenem großen Werke schon besser gesagt worden ist. Wirt­schaftlich interessant war das rege Leben in der nächsten Nähe der Küste. Der früher ausschließlich

begangene Weg von Lindi aus über den 175 Meter hohen Kitulo nach Nguru Mahamba wird heute weniger gepflegt und auch weniger begangen als die zwar längere, aber weit bequemere Kunststraße um den Kitulo herum durch das Hochflutgebiet des Lindi-Kneks. Im Juli 1906 war diese Straße erst noch im Bau; an verschiedenen Stellen waren Arbeitertrupps beschäftigt, den Steinschlag zu vervollständigen und Brücken anzulegen; Ende No­vember, bei meiner Rückkehr aus dem Innern, hätten Automobile sich keine bessere Fahrbahn wünschen können, so glatt und fest stellte sich der Weg nach seiner Fertigstellung dar. Heute verbindet diese prächtige Straße nur einige wenige, in der Nähe von Mrweka angelegte Europäerplantagen mit Lindi; für die Zukunft ist sie der vielversprechende Anfang einer großen Verkehrsader nach dem Innern, die nicht mehr wie die heutige Barrabarra (d. i. geschlagener Weg) weitab vom Lukuledi über hohe Berge und durch tiefe Täler führt, sondern die der natürlichen, sanften Steigung jenes breiten und fruchtbaren Fluß­tales folgen soll.