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Vorbemerkung.
ber den Verlauf meiner Reise habe ich schon während ihrer Dauer und unmittelbar nach ihrem Ende in früheren Heften dieser Zeitschrift kurz Bericht erstattet; 1 ) auch über die wissenschaftlichen Ergebnisse liegt bereits eine am selben Orte erschienene, allerdings mehr als knappe Übersichtsskizze vor. 2 ) Diese Ergebnisse in allen ihren Teilen gründlich, ausführlich und vergleichend völkerkundlich zu verarbeiten, ist eine Aufgabe, die nur in längerer Zeit zu bewältigen sein wird; sie kann auch nur an verschiedenen Publikationsorten gelöst werden. Eine systematische Darstellung der von mir bei den Völkern des Südens von Deutsch-Ostafrika zusammengetragenen ethnographischen Sammlung wird am besten dort erfolgen, wo sie von wissenschaftlichen Kreisen am ehesten gesucht und gefunden wird, also in einer Museumspublikation. Meine Sammlung soll denn auch in den „Veröffentlichungen des städtischen Museums für Völkerkunde zu Leipzig" publiziert werden. Da das Museum mit allen verwandten Instituten und zahlreichen gelehrten Gesellschaften aller Länder der Erde im literarischen Tauschverkehr steht, so ist auch auf diesem Wege für eine genügende Verbreitung dieses Teils der Ergebnisse gesorgt. Auch die interessanten Resultate meiner auf die Kunstübung bei den Eingeborenen gerichteten Studien erfordern eine gesonderte Behandlung, sowohl ihres Umfanges wegen, wie auch weil die Anfänge und die primitiveren Stufen aller Kunstentwicklung gegenwärtig außerordentlich weite Kreise fesseln. Die Bearbeitung meiner phono-
*) Mitteilungen von Forschungsreisenden und Gelehrten aus den deutschen Schutzgebieten, Bd. 19 (1906) S. 294 bis 304. Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten, Bd. 20 (1907) S. 109 bis 110.
2 ) Ebenda 1907. S. 110 bis 114.
graphischen Aufnahmen, soweit sie die Musik jener Völker betreffen, hat liebenswürdigerweise das Psychologische Institut der Berliner Universität, insonderheit Herr Dr. von Hornbostel, übernommen.. Einer Durchsicht meiner umfangreichen Sprach- aufnahmen will sich freundlichst Herr Professor Meinhof unterziehen. Die Drucklegung beider Arten von Ergebnissen wird erst später erfolgen können. Eine für weite Kreise berechnete, gleichwohl streng wissenschaftliche Darstellung der ganzen Reise schließlich soll im Laufe dieses Jahres bei F. A. Brockhaus in Leipzig erscheinen.
Für die „Mitteilungen aus den Deutschen Schutzgebieten" bleibt trotz alledem noch ein sehr umfangreiches Material übrig. Die in ihnen früher veröffentlichten beiden Berichte sind nur sehr knapp und so skizzenhaft, daß sie nicht einmal vom äußern Verlauf der Expedition ein klares Bild gewähren, von der systematischen Darstellung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse ganz zu schweigen. Die Reise selbst entbehrt zwar aller aufregenden Abenteuer, hat mir aber bei dem ständigen engen Verkehr mit den Eingeborenen um so mehr intimere psychologische Reize geboten. Dem eigentlichen Endziel meiner Aufgabe entsprechend, lege ich das Hauptgewicht auf die objektive Schilderung der materiellen und der geistigen Kultur jener Völker, so wie ich sie 1906 vorgefunden habe. Über manches liegen bereits treffliche und auch zusammenfassende Vorarbeiten anderer vor, 1 ) doch habe ich selbst in den begangeneren Teilen des Gebietes noch manches Neue, an dem ein Nichtfachmann arglos vorübergehen würde, zu entdecken das Glück
*) .Siehe vor allem das grundlegende und gründliche große Werk von Fr. Fülleborn, Das deutsche Njassa- und Ruwuma- gebiet, Land und Leute. Berlin 1906. Dietrich Reimer. Mit fast vollständiger Literaturangabe.