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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Mauioe, Bataten und Mucker, daneben wird viel Kaffee gepflanzt, der in den Wäldern auch wild wächst.

Weiße können Land nnr mit Bewilligung der Regierung erwerben, da­gegen befindet sich der Handel fast ganz in ihren Händen nnd zwar ist hier am stärksten deutsches Kapital engagiert.

Die Verfassung des Staates ist derjeuigeu von Nordamerika nachgeahmt. An der Spitze stehen ein auf 2 Jahre gewählter Präsident mit seinem Kabinet, ein Seuat mit 8 ant 4 Jahre nnd ein Repräsentantenhans mit 13 ans 2 Jahre gewählten Mitgliedern. Ein Weißer kann das Bürgerrecht uicht erwerben. Die Republik zersällt iu die 4 Grafschaften Montserrado, Grand Bassa, Sinn nnd Maryland und besitzt ihre Hauptstadt iu dem, uach dem amerikanischen Präsidenten Monroe beuauuteu Monrovia. Ans Kap Mesnrado in weiter Bncht am Fnße eines dicht bewaldeten Hügels gelegen, erscheint diese, 5000 Einwohner zählende Stadt dem flüchtigen Blick als einer der schönsten Plätze an der ganzen West­küste, bei nähcrem Zusehen aber trifft mau überall auf Spureu vou Beruach- lässiguug oder Verfall. Jeder waffenfähige Bürger zwischen 16 nud 50 Jahreu ist wehrpflichtig uud dadurch ergiebt sich eine Miliz vou 5 Regimeuteru; freilich habeu Heer uud Mariue iu Liberia eiueu recht karuevalistischeu Anstrich, fast jeder Kaufmann, Pflanzer oder Arbeiter führt einen pompösen militärischen Titel mit entsprechender Unisorm und um eiuem fühlbareu Bedürfnis zu entspreche«, hat man 1879 hier auch eiueuAfrikauischeu Erlöserorden" gestiftet. Die Flagge Liberias, eine Nachahmung der amerikanischen, ist weiß und rot gestreift uud zeigt in dem blaueu Felde der obereu Ecke einen weißen Stern. Die Marine bestand bis vor einigen Jahren ans 2 von England geschenkten, alten Nacht­kreuzern uud eiuem Statiousschiff iu Monrovia, ist jetzt aber ganz eingegangen. Die ganze Verwaltung, das Zerrbild eines Staatswesens, ist korrupt uud ahmt auch iu dieser Beziehung ihr amerikauischeu Vorbild uach.

Die Finanzen sind unter diesen Umstäudeu natürlich in traurigem Zu­stand. Im Jahre 1894 betrugen die meist aus Zöllen stammenden Einnahmen 158000, die Ausgaben 151000 Dollars, seitdem sollen diese Zahlen für das Jahr 1900 auf 225 000 bezw. 195000 Dollars gestiegen sein, doch sind diese Angaben unzuverlässig. Im Jahre 1871 schloß Liberia mit englischem Finanz- lenten znm nominellen Kurse vou 85°/^ eiue Anleihe von 500000 Dollars ab, welche mit 7°/^ i>. verzinst werden und in 15 Jahren rückzahlbar sein sollte. In der That freilich bekam die Liberia-Regieruug diese Anleihe nnr in Form von 89 965 Dollars in Metall und iu 60000 Dollars grö'ßteuteils unsolider Papiere ausgezahlt, deu Rest vcrschlaug der hohe Diskout, der Abzug auf im Boraus zu eulrichteude Ziuseu auf 3 Jahre und Provifioueu aller Art, sodaß die Realisierung nnr 27"/g des Nominalbetrages ergab. Was Wnnder, daß unter dieseu Um­stäudeu seit 1874 weder Ziuseu, uoch Amortisationsquoten bezahlt wurden! Nachdem im Jahre 1899 der Zinsrückstand auf 128000 L augewachseu war,