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Die ersten schwarzen Ansiedler aus Amerika waren thatsächlich wackere Leute, an Arbeit gewöhnt nnd bereit, ihre nette Heimat ztt behaupten Nnd nach Kräften zu fördern. Nach nnd Nach aber wurde die Einwanderung aus Amerika geringer, die alteu tüchtigen Lente der Kolonie starben aus, der Nachwuchs entsprach ihnen uicht nnd so hat sich die ganze Neger-Republik allmählich mehr und mehr als wahre Farce einer geordneten Regierung erwiesen, sie konnte ihren Aufgaben weder nach außeu noch im Innern gerecht werden und im Jahre 1898 z. B- mußte eiu deutsches Kriegsschiff Liberia zwiugeu, seiueu Verpflichtungen gegen den deutschen Kausmcmu Koch iu Kap Palmas nachzukommen.
Werfen wir mm zunächst einen Blick ans die Bodeng estaltnng des 85 350 eMn großeir Landes, so finden wir zwischen den Grenzflüssen Monah im Nordwesten und Ccwally im Südosten eine 600 I<m lange, ziemlich einförmig verlaufende .^üstenliuie, aus welcher die Laudzuuge des CaP Mouut und die Kaps Mesnradv und Palmas besonders hervortreten. Hinter der von großen Mangrovesümpfen eingefaßten Küste erhebt sich das waldbedeckte und im Innern noch sehr unbekannte Land allmählich bis zn 1000 m Höhe nnd weist in seinen Waldnngen zahlreiche Luxns- nnd Farbhölzer ans. Voll Mineralien ist viel Eisen vorhanden, anch Gold, Kupfer n. a. Die Mündnngen der zahlreichen Flüsse sind meist verstopft nnd ihre Schiffbarkeit mit Barken reicht nnr etwa 120 Km landein und wird dann durch Stromschuelleu verhindert.
Die ans 1 bis 2 Millionen geschätzte Bevölkerung besteht meist ans Krn-Negern, sodaun aus Wey uud anderen Negerstämmen und bildet den wertvollsten Besitz des Landes überhanpt, da willige nnd tüchtige Arbeiter in Afrika ja seltener als Gold sind. Die kräftigeil Kru- und Wey-Jungen findet mall fast überall iu Westafrika als Mannschaft der Brandnngsboote, ferner als Schiffsarbeiter, Maschinisten, Handarbeiter nnd Träger, anch Kmnernn bezieht einen Teil seiiler Pflanznugsarbeiter ans Liberia. Die Krn-Neger sind nahe der Küste ansässig nnd eignen sich besonders als Schiffsleute; nimmt doch z. B. jeder Wörmann-Dampfer iu Monrovia 30—40 Krnlente für die Küstenfahrt an Bord. Die Wey aber wohnen mehr im Innern nnd nach Norden zn und sind tüchtige Buschläufer, eine Art schwarzer Landsknechte uud einer der wenigen afrikanischeil Stämme, welche Schriftzeichen besitzeil. Sehr unnütz, träge und unfähig erweist sich diesen „Wilden" gegenüber die herrschende Klasse der „fresborn anä eolonreck gsntlsmsn", der protestantischen, ans Amerika Umgesiedelten nnd enropciisch gekleideten Schwarzen nnd ihrer Nachkommen, im ganzen etwa 20000 Mann, welche nnter dein schönen Motto: „tlw lovs ot' libsrt^ brou^llt ns bere." die Parodie einer Republik aufführen. Fünf protestantische amerikanische Missious- gesellschafteu wirken unter den mohamedanischen und heidnischen Eiugeboreuen mit wenig Erfolg, dagegen giebt es in jeder größeren Ortschaft Elementar- schulen, uud ciue höhere Schule mit schwarzen Professoren aus Amerika, da^ Liberia College, besteht iu Monrovia. Der Ackerban beschränkt sich ans