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West-Afrika / von Moritz Schanz
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einer schmalspurigen Eisenbahn, das kürzlich von Koppel in Berlin gekauft wnrde, verkommt uud verrostet nutzlos am Strande.

An der Westseite der Insel treffen wir auf die Bai vou S. Carlos, au den Ostküste auf die Coucepciou-Bai, beide iu geschützter Lage, welche es deu größten Schisfeu ermöglicht, uahe am Straude anzulegen; der Bau vou Lauduugs- brückeu wäre in beiden Buchten leicht.

Die Verwaltung der Insel, eine bureaukratisch-militärisch-autokratische, läßt sehr viel zu wünschen übrig; die Gouverneure und damit die Systeme haben häufig gewechselt, die Beamten zeichueu sich im allgemeiueu weder durch Fähig­keit, noch durch Ehrlichkeit aus und mich die vou der Regierung mit ueuneus- werteu Geldmitteln unterstützten spanischen Missionare haben keine Fortschritte zu zeitigen vermocht. So ist es denn nicht zu verwuuderu, daß das Mutterlaud für die kleine Jusel uoch eiueu ziemlicheu Zuschuß beizutragen hat, der früher teilweife von dem Philippiueu-Etat getragen wurde. Das Budget für 1901 wies in eigenen Einnahmen nur 84 000, iu Ausgaben 5l2 000 Pesetas auf.

In S. Jzabel, wo bisher der Sekretär des Gouverneurs Recht sprach, soll vom Jahre 1902 ab eiu ordentlicher Richter wohucu, auch ist dort die An­lage einer landwirtschaftlichen uud einer Handwerker-Schule geplaut. Die hiesige weiße Garuisou soll allmählich durch eingeborene Soldaten ersetzt werdeu, eiue Maßregel, die dnrch das schlechte Klima besoudcrs nahegelegt wird. Außerdem ist Spanieus Macht hier durch 2 Kauoueuboote vertreten.

Der Fruchtbarkeit des Bodeus entsprechend hat man seine Hoffnung hier hauptsächlich auf deu Ertrag der Plautageukultureu gesetzt uud zwar geht das Bestreben der spauischeu Regierung uach deu Verfüguugeu vom 9. Jauuar 1895 uud 12. November 1897 dahin, die Anlage möglichst vieler kleiner Pflau- zuugeu zu begüustigeu. Die Bestimmung vom Jahre 1895 gewährte spauischeu Familieu freie Fahrt uach Feruando Po, feruer 2 Iia. Laud und die notwendigem Geräte zur Bewirtschaftung desselben, sowie die kostenlose Stelluug zweier schwarzer Arbeiter seitens der Regierung; ferner erhielten diese Kolonisten für die ersten 4 Jahre circa 100 Mark pro Mouat uud weitere 10 Mark monatlich für jedes aus der Ehe entspringende Kind während der ersten Lebensjahre. 16 auf dieser Basis herausgekommeue Familieu lebeu jetzt im Dorfe Bastle, doch kauu voll einem Erfolge dieser Besiedeluug im Verhältuis zum Geldaufwaud kaum die Rede seiu. Die Verfügung vom Jahre 1897 beschränkte die Größe des Grundbesitzes, den eine eiuzelue Persou von der Regieruug erwerben kann, in der Regel bei Spanieru auf 50, bei Ausläudern auf nur 10 ü^ Urwald.

Die Pflauzuugeu erstrecken sich hauptsächlich auf Kakao uud zwar zählt man gegeu 150 Plantagen im Gesamtumfaug vou etwa 7000 üa, die au der West- und Ostküste, zumeist am Nordrcmd in der Nähe des uugesuudeu Haupt­orts S. Jzabel liegeu, aber uur wenige größere umfassen. Vou englischen Firmen haben John Holt u. Co. von Liverpool und die ^.md^s La^ liÄäin^ OomMuv Kakao-Pflauzuugeu hier uud die Hamburger Firma E. Moritz erwarb