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West-Afrika / von Moritz Schanz
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Während dieser Vorschlag einerseits das Bedenken rege machte, daß sich nicht genügend spanisches Kapital finden werde und somit also eine fremde Einmischung zu befürchten sei, verlangt man andererseits eine so vollständige Auslieferung der genannten Gebiete an die Privatuuteruehmung, daß der Staats­zuschuß von 2 Millionen ganz gestrichen werden könne, denn der spanische Staat mit seinem religiös-militärischen Kolonialsystem habe eine völlige Unfähigkeit ' gezeigt, eine für das Mutterland günstige Kolonisiernng zu betreiben. Auch Fernando Po sei eiu Beispiel dafür, denn die Millionen, die der Staat dafür ausgegeben, seien von Bureaukraten nnd Missionaren aufgezehrt worden ohne jeden Vorteil für die Nation. Nach dem Verkaufe der Karolinen könne eine Verpachtung der afrikanischen Gebiete die Gemüter der Spanier doch nicht weiter beunruhigen. Ewige Blätter gehen noch weiter und wären schon jetzt einem günstigen Verkauf der afrikanischen Kolonien nicht abgeneigt.

Im letzteren Falle würden die Dinge so liegen, daß sich Frankreich durch den Vertrag vom 27. Juni 1900 das Vorkaufsrecht sowohl für das Rio de Oro-, wie das Muni-Gebiet gesichert hat; ein ähnlicher Vertrag soll augeblich mit Deutschland betreffs Fernando Po existieren; und auf den Kanaren dominiert heilte zwar der englische Einfluß, doch scheinen letzthin auch die Nordamerikaner ihr Auge auf diese Gruppe geworfen zu haben und der dortige amerikanische Konsul betrieb so offen eine Agitation, die auf Loslösung der Inseln von Spanien hinarbeitete, daß sich die spanische Regierung im April 1902 veranlaßt sah, in Washington die Abberufung dieses Beamten zu erbitten.

Was die Dampfer-Verbindung Europas mit deu fpauifcheu Besitzungen in Westafrika anbetrifft, so kommen in erster Linie die Schiffe der Compania Trasatl6.ntica in Barcelona in Betracht, welche monatlich nach West- Marokko und den Kanaren, zweimonatlich von Barcelona über Cadiz nach Las Palmas, Rio de Oro, Monrovia uud Feruaudo Po fahre« und letzteres von Cadiz aus in 23 Tagen erreichen. Die von dieser Gesellschaft berechneten Fahr­preise sind ab Cadiz nach

Las Palmas. Rio de Oro. Fernando Po. Eloby. Gabuu.

1.

Klasse

125

240

638

680

750

Pesetas.

2.

75

160

426

452

500

-Z.

50

80

213

228

270

Vou uichtspanischen Dampfern laufen diejenigen der Wörmann-Linie monatlich 4 mal die Kanareu und 2 mal das Muni-Gebiet, die Liverpool- Dampfer monatlich 7 mal die Kanaren und 1 mal Fernando Po an.

Die Produkte der spanischen westafrikanischen Kolonien genießen in Spanien meist Zollfreiheit; der Kakao aber unterliegt einer Gebühr.

Betrachten wir nun auch hier die eiuzelueu Gebiete etwas näher und be­ginnen hier ebenfalls mit dem Norden.