Ginleitung.
Mit einer gewissen Berechtigung ist man versucht, die Ansicht zu äußern, daß unsere Zeit außer in diesem oder jenem Zeichen auch in dem der asrikanischen Jagdgeschichten steht, trotzdem die Literatur auf diesem Gebiete noch keineswegs eine besonders reichhaltige ist. Vielleicht liegt das mit daran, daß mancher Berusene scheut, seine Erlebnisse einfach und phrasenlos von sich zu geben, weil er besorgt, daß er damit keinen Anklang findet. Schließlich ist auch nicht jedermann die Gabe verliehen, in sich einen großen Helden zu erblicken und wenn doch, so ist es wiederum nicht nach jedermanns Geschmack, sich als solchen anzupreisen.
Wer über afrikanische Jagd schreiben will, wird seiner Absicht nicht selten nur mit einem gewissen Widerstreben nachgeben, angesichts der hier draußen ziemlich verbreiteten Auffassung: „Wer bei seinen Jagdgeschichten nicht kolossal lügt, dem glaubt zu Hause kein Mensch."
Und so sieht es sast aus! Daß man zum Beispiel in einer Stunde — an Orten, die ich nicht jedermann verraten würde — mühelos 30 Flußpferde schießen kann, hält jeder für Schwindel; er ist aber überzeugt davon, daß man hier nur irgendwo seine Flinte zum Fenster hinaus abzudrücken braucht, um eine Antilope daliegen zu haben. Daß aber eine einzige Antilope oft wochenlanger Suche bedarf, kann er nicht fassen. Desgleichen stellt er sich infolge übertriebener Schilderungen ganz folgerichtig mit Vorliebe die hiesige Jagd als halben Selbstmord vor.
Wie dem nun sein mag, ich hoffe trotzdem noch Leser zu finden, welche mir glauben, daß man in Ostafrika jahrelang die Jagd ausüben kann ohne wegen eines — nur in der Phantasie vorhandenen - „mörderischen" Klimas stets in größter Lebensgefahr zu schweben und ohne einen um den anderen Tag um Haaresbreite dem sicheren Tode zu entrinnen, mit knappster Not dem Schicksal zu entgehen, von einem reißenden oder gereizten Tier zerrissen, aufgespießt, zerquetscht, zertrampelt zu werden, oder sonst wie und anderweitig ums Leben zu kommen. — Meine Erfahrungen weichen hier von denen anderer Beobachter ab. Infolge beruflicher Tätigkeit und neuer Expeditionen war es mir nicht möglich, die vorliegende Arbeit eher als geschehen zu beenden.
24'