In Udjidji. — Revierdienst. 171
Tanganika! Tanganika! Jubelnd dringt der Ruf immer wieder aus Hunderten von Kehlen.
Vergessen ist Tod und Verderben hinter uns. Wir sind in Udjidji!
V. Kapitel.
Zuk belctuoerlictieii pkciclen.
Auf den Bau der neuen Station uud das Lebeu in Udjidji genauer einzugehen, muß ich mir hier versagen. Ich will nur einmal kurz erzählen, welchen Dienst ich und der übrigbleibende Unteroffizier zu versehen hatte, solange weder Arzt noch — nach Nöhrs Tod — Lazarettgehülfe noch ein Zahlmeisteraspirant als Verwaltungsbeamter zur Kompagnie gehörte und von den 3 Unteroffizieren, die wir überhaupt hatten, 2 auf entfernte Posten abkommandiert waren.
Früh 6 Uhr begann der Revierdicnst, zu welchem die kranken Soldaten, Träger, Arbeiter, Boys usw. mit ihren Angehörigen erschienen. Die gewöhnliche Klage war: „homa" (Fieber) oder: „Kitschwa ki na ni uma" (ich habe solchen Kopfschmerz) oder die Patienten kamen mit der lakonischen Schilderung: „Kifua" (Brustschmerzen) Schingo (Halsschmerzen) und „Tumbo" (Leibweh) uud dachteu anscheinend voll Vertraueu, daß diese Erklärung meinem unfehlbaren diagnostischen Blick zur Verordnung des richtigen Heilmittels völlig genügen würde.
Andere hatten offene Wunden; besonders Beinschäden waren nicht selten. Bald waren auch die durch den Sandfloh verursachten Fußwunden häufig. So kam jeden Morgen auf des Hornisten- Signal: „Edrup hakim" (Blase den Arzt) der Zug der Kranken und Drückeberger zur „Dana" (Medizin). Meine Spezialität war die Beseitigung von Zahnschmerzen (natürlich nur in geeigneten Fällen bei hohlen Zähnen) vermittelst reiner Karbolsäure. Eineu Augenblick sprang der Patient wie besessen herum. Aber der Schinerz war nach Sekunden wie fortgeblasen und die Dankbarkeit o?s von seiner Pein Erlösten echt und tiefempfunden.