Teil eines Werkes 
Bd. 1 [H. 1-3] (1906) Der Feldzug gegen die Hereros
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Der Feldzug gegen die Hereros.

und Opferwilligkeit der Truppen gab der Chef des Generalstabs der Armee, General- vberst Graf v, Schliessen, Ausdruck, indem er dem General v. Trotha telegraphierte: Hier ist alles voll Bewunderung für die außerordentlich energische und erfolgreiche Verfolgung unter so schwierigen Verhältnissen."

An der Spitze einer solchen Truppe vermochte die deutsche Führung selbst der schwierigsten Ausgaben und aller fast unüberwindlich scheinenden Hindernisse Herr zu werden!

Wo Führer und Truppe durch ein so starkes wechselseitiges Vertrauen verbunden waren, da konnte freilich Außergewöhnliches geleistet werden!

^7. Die Absperrung der Omaheke und das Ende der Hereros.

An das Oberkommando trat nunmehr die Frage heran, wie mit den doch noch etwa im Sandfeld sitzenden, den über die englische Grenze entkommenen oder im Lande zerstreuten Hereros verfahren werden sollte. Diese Frage war durch den in­zwischen ansgebrochenen Hottentottenaufstand brennend geworden. Von mehr als einer Seite wurde der Gedanke angeregt, die Reste des Volkes durch Verhandlungen zur Unterwerfung zu veranlassen.

General v. Trotha glaubte indessen den Zeitpunkt hierzu noch nicht gekommen. Er wies in einem Bericht an den Chef des Gcncralstabes der Armee darauf hiu, daß Verhandlungen mit den Hereros schon deswegen unmöglich seien, weil die Kapitäne sämtlich entweder tot oder landslüchtig oder durch ihre Untaten während des Anf- standes zu schwer bloßgestellt seien, als daß die deutsche Regierung sich mit ihnen einlassen könnte. Außerdem hielt er die Annahme einer mehr oder minder freiwilligen Unterwerfung, die die Möglichkeit eines Wiederaufbaus der alten Stammesorganisation geboten hätte, für den größten politischen Fehler, der sich über kurz oder lang wieder blutig rächen würde. Er sah in der ganzen Aufstandsbewegnng im deutscheu Schutz­gebiet das erste Anzeichen eines Rassenkampfes, mit dem alle am afrikauischen Kolonial­besitz beteiligten europäischen Mächte zu rechnen hätten. Bei dieser Sachlage mußte jede Nachgiebigkeit auf deutscher Seite dem Gedanken, daß Afrika seinen schwarzen Bewohnern allein gehöre, der sogenannten äthiopischen Bewegung neue An-- Hänger zuführen.

Der Kampf mußte also weitergeführt werden, so lange überhaupt die Möglich­keit eines Wiederauflebeus der Widerstandskraft der Hereros vorhanden war. Die Omaheke Da indes größere Unternehmungen deutscher Truppen im Sandfelde zu dieser Westen°und ^enen Jahreszeit völlig ausgeschlossen waren, beschloß General v. Trotha, das Südwesten ab-M'Ze Gebiet der Omaheke im Westen und Südwesten abzusperren; schon Anfang gesperrt. Oktober hatte er die Anordnungen zu ihrer Abschließung vom Epukiroslnß bis zum Omuramba-u-Omatako getroffen.