3. Der Siegeszug der Kompngnie Franke.
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sich in einem höchst tranrigen Zustand. Von den Lokomotiven waren nicht weniger als 20 unbrauchbar, der Oberbau, den jetzt der Regen völlig zerstört hatte, war schon in gewöhnlichen Zeiten derart schadhast, daß kein Zug ohne Bahnbautechniker und Hilfspersonal fahren konnte. Kapitän Gudcwill veranlaßte infolgedessen das zahlreiche technische Personal der im Bau begriffenen Otavibahn, die Wiederherstellung in die Hand zu nehmen, was mit ebensoviel Geschick als Hingebung geschah. Zunächst allerdings mußte der notwendigste Verkehr an der Hauptuntcrbrcchnngsstelle am Khanftuß durch Umladen bewirkt werden. Das Maschinenmaterial wnrde, so gut es ging, durch das Personal des „Habicht" und durch Hilfskräfte von der Woermann- linie instandgesetzt. Weitere Arbeiten wurden notwendig, um die durch die Regengüsse unbrauchbar gemachte Wasserversorgnngsanlage von Swakopmund wiederherzustellen.
Bei der geringen Leistungsfähigkeit der Bahn nnd der Unmöglichkeit, die künftigen Operationen unmittelbar an diese zu binden, mußte indes von vornherein die Beschaffung von Wagen und Zugtieren ius Auge gefaßt werden, was wegen des Abzugs eines großen Teils der Transportmittel nach dem Süden seine großen Schwierigkeiten hatte. Kapitän Gudewill sammelte alles, was an Transportmitteln noch erreichbar war, in Jakalswater, nm sie später von dort nach Karibib vorznsenden. Auch die Heranziehung von Transportmitteln aus Kapstadt wurde in die Wege geleitet. Alle sonstigen Maßnahmen beschränkten sich zunächst darauf, das Eingreifen der aus der Heimat erwarteten Verstärkungen vorzubereiten.
Im übrigen blieb die Lage unverändert ernst. Über das Schicksal OkahandjaS nnd Omarurus fehlten nähere Nachrichten. Wie lauge würden sich die kleinen deutschen Besatzungen der gewaltigen Übermacht noch erwehren können? Früher als man hoffen konnte, nahte jedoch die Hilfe!
5. Der Siegeszug der Aoinpagnie Franke.
Die in Omaruru stehende 2. Schutztrnppen - Kompagnie Franke war, dem Befehl des Obersten Leutwein entsprechend,") am 3V. Dezember 1903 nach dem Süden abgerückt. Die etwa 90 Köpfe starke Kompagnie hatte völlig ungestört bis zum 12. Januar Gibeon erreicht, wo sie am 14. Januar die Kunde von dem Ausbrnch des Aufstandes im Hererolande und der Bedrängnis Okahandjas traf. Daraufhin erbat Hauptmann Franke sofort auf heliographischem Wege die Erlaubnis des Gouverneurs, umkehren zu dürfen, um den Entsatz der eingeschlossenen Orte zu bewirken. Es war dies für eine einzelne Kompagnie von noch nicht 100 Köpfen, die fast 400 1:m von dem Schauplatz ihrer Bestimmung entfernt stand, gegenüber dem nach Tausenden zählenden, gut bewaffneten Feind gewiß eine heikle Aufgabe. Aber
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